Buch – Legende Land Cruiser

Toyotas Kult-Allradler – Alle Modelle und Baureihen von 1951 bis heute so der vielsagende Untertitel zum neuen Buch über eine der wenigen, lebenden Automobil-Legenden. Das neue Buch aus dem Heel Verlag ist eine Aktualisierung eines inzwischen vergriffenen Titels aus dem Jahr 2011. In der Zwischenzeit wurde das Buch auch auf englisch, polnisch und sogar japanisch aufgelegt worden und zeigt die internationale Verbreitung des Buches und die Beliebtheit des Toyota Land Cruiser.

Das Buch kommt im klassischen Format daher und der Titel wird von einem klassischen Exemplar des Toyota Land Cruiser geschmückt. Dazu in großen Buchstaben der Buchtitel in einer passender Schrift und sogar passender Farbe zum Land Cruiser. Weitere Aufnahmen von unterschiedlichen Generationen des Land Cruiser finden sich dann auch noch, neben dem Klappentext, auf der Rückseite wieder. Ein gelungene Darstellung, die zugleich schlicht ist und den potentiellen Käufer auf den Titel aufmerksam macht. Bei dem ersten Blick in das Buch kommt der Leser dann schnell zu einer Übersichtsseite, auf der sich alle bisherigen Generationen des Toyota Land Cruiser im Bild zeigen mit dem Vermerk der jeweiligen Modellnummer. Dieses gibt schon mal einen ersten kleinen Vorgeschmack auf die Vielfalt, die sich im Laufe der Jahre mit der Modellreihe entwickelte und zu unterschiedlichen Abarten des Land Cruisers führen sollte. Dann folgt das Inhaltsverzeichnis in dem schnell deutlich wird, dass das Buch auch die Kapitel nach den Modellreihen unterteilt hat und dabei größtenteils hierarchisch vorgeht. Daneben findet sich die Abbildung von einem alten Informations-Blatt zur ersten Generation des Land Cruiser. Nach dem Vorwort des Autors folgen noch zwei Grußworte von Sadayoshi Koyari und Masato Katsumata, die bei Toyota maßgeblich an der Entwicklung des Land Cruiser beteiligt sind.

Die Grundlage der Baureihe bildete schließlich der Toyota BJ, der für den Einsatz im Militärdienst entwickelt worden war. Hier war die klare Vorgabe, dass das Modell in Japan produziert werden sollte und dem amerikanischen Vorbild des Jeep von Willys-Overland entsprechen sollte. Toyota hatte vor allem im Bau von LKW Erfahrung und nutzte so die Plattform des 1-Tonnen-LKW SB und montierte den Motor aus dem Viertonnen-LKW hinein. Hinzu kam eine zweckmäßige Karosserie, so dass die Form deutlich wie der originale Jeep aussah. Das Modell sollte Toyota Jeep BJ heißen, wobei das B für den verwendeten Motor mit 3386 ccm stand und das bis heute verwendete J tatsächlich für Jeep stand. Das Militär entschied sich aber gegen den Einsatz des Toyota und nutzte den Lizenznachbau des Willys Jeep von Mitsubishi. Trotz diesen Rückschlags war man bei Toyota aber von dem Konzept überzeugt und entwickelte es weiter. Die strengen Vorgaben vom Militär waren dabei nicht mehr zu berücksichtigen und so konnte die Ingenieure ihren Weg deutlich freier umsetzen. In ungewöhnliche Testfahrten bewies Toyota dann die extremen Fähigkeiten des BJ und so erklommen die BJ’s die Treppen zum Fudo-Tempel und bewältigten den Pilgerweg auf dem Fuji bis zur 6. Station. Eine bis dahin einmalige Leistung, mit der Toyota für viel Aufmerksamkeit sorgen konnte. Die National Police Agency von Japan machte den BJ dann schnell zum offiziellen Fahrzeug und die Produktion des BJ nahm so endgültig Fahrt auf. Das erste Kapitel wird geschmückt von einer durchaus guten Bebilderung und in gesonderten Kästen werden besondere Aspekte nochmals einzeln beleuchtet. Zum BJ, wie auch zu jedem folgenden Modell, blickt das Buch dann noch auf den Motor, die Technik und die Karosserie und liefert hierzu die jeweils wichtigsten Informationen ohne dabei zu technisch zu werden. Ein Überblick der Modellvarianten beschließen schließlich das Kapitel mit bei ersten Modell nur sechs unterschiedlichen Modellen.

Die durchaus manchmal verwirrende Modellbezeichnungen des Toyota Land Cruiser werden dann in einem kurzen Kapitel nochmals erläutert. Hierbei wird aber schnell deutlich, dass im Laufe der Jahre immer mehr Codes dazukamen und ein Überblick selbst unter Kennern manchmal schwer fällt.
Mit dem BJ25 stellte Toyota dann im August 1955 die zweite Generation des and Cruiser vor und hatten nun nicht weniger als den Weltmarkt als Ziel. Das Styling wurde deutlich ansehnlicher gestaltet und so hatte der Toyota durch runde Formen deutlich bessere Chancen auch den Privatmarkt zu erobern. Hierzu war sogar der Einbau einer Klimaanlage möglich und machte den Vergleich mit der internationalen Konkurrenz möglich. Der alte B-Motor wurde schon nach drei Monaten durch den neuen F-Motor nach oben ergänzt und Toyota erschuf hiermit eine „legendäre Maschine“. Dieser Motor wurde bis ins Jahr 1992 in der letzten Generation produziert und war ein begnadeter Langläufer. Die Modellvielfalt wurde zum ersten Mal mit dem J2 erweitert und so war unter anderem auch der erste Station mit geschlossener Karosserie erhältlich. 1954 wurden dann die ersten Modelle nach Pakistan verschifft und auch Saudi-Arabien und Brasilien waren anschließend nur die ersten Schauplätze zu Eroberung der Welt durch den Land Cruiser. Auch der amerikanische Markt wurde vom J2 wenig später erobert und markiert bis heute einen der wichtigsten Absatzmärkte für Toyota. Die Modellvarianten des J2/J3 wuchs somit bis zum Produktionsende im Jahr 1960 auf sechszehn Varianten an. Selbstverständlich liefert das Buch auch zu jeder Generation noch die wichtigsten technischen Daten.

„Das Kultobjekt“ wurde der Land Cruiser dann aber endgültig mit dem von 1960 bis 1986 (!!!) produzierten J4. Dieses Gesicht ist bis heute vielen Automobilisten bekannt und wird unweigerlich als Land Cruiser deklariert. Durch eine weiße Brille, die Scheinwerfer und Kühlergrill einrahmte gab Toyota dem Land Cruiser ein einzigartiges Erscheinungsbild und auch die spätere Änderung auf eine eckige Ausführung tat der Beliebtheit keinen Abbruch. Der mögliche Einsatz des Land Cruiser in jeglichem Gelände war inzwischen international anerkannt und so verwundert es kaum, dass auch der J4 mit dem ersten „Buschtaxi“ zu weiteren Idol-Bildung beitragen konnte. In diesem Modell mit langem Radstand welches als FJ45 Troop Carrier dem Transport von bis zu 10 Personen in einem Geländewagen ermöglichen sollte. Bis heute sind solche Modelle zu finden und auch im hiesigen Straßenbild taucht immer mal wieder ein Exemplar des J4 auf. Dieses ist zum einen begründet in seiner unglaublichen Vielfalt von bis zu 30 Modellen, wobei die Banderiante-Modelle aus Brasilien noch nicht dazuzählen. Das Buch stellte diese erfolgreiche Modell intensiv vor und blickt dabei auch auf einige Abarten wie den TLC Icon oder den Delta Mini Cruiser.
Der J5 war dann parallel zum J4 der erste Station Wagon der als eigenständiges Modell lief und die immer höheren Komfort-Ansprüche der Kunden befriedigen sollte. Dieses Modell war vor allem in den USA sehr gefragt und stellte eine echte Alternative zur amerikanischen Konkurrenz dar. Durch eine schicke Zweifarben-Lackierung wurde das Modell auch optisch herausgestellt und durch seine riesigen Ausmaße erhielt er schnell den Beinamen „Eisenschwein“.
1980 wurde der J5 dann vom direkten Nachfolger J6 abgelöst, der die Nachfrage nach einer schnelleren Modernisierung des Modells Rechnung trug. Mit dem J6 wurde auch der mögliche Luxus des Station Wagon deutlich erhöht und abermals war die USA das Lieblingsziel der japanischen Konstrukteure.

Mit dem J7, der 1984 vorgestellt wurde begann dann noch eine weitere Diversifikation der Modellreihe des Land Cruiser. Der klassische Geländewagen in Form des Heavy Duty ist sogar bis heute in Produktion. Er steht für kompromisslose Geländefähigkeit und wird noch auf ausgewählten Märkten der Welt angeboten. Das zweite Modell des J7 war der Light Duty, der die Modellreihe Prado begründete ohne jemals diesen Namen getragen zu haben. Mit diesem Modell wurde auch der Komfort immer mehr betont und der Käufer konnte ein stylischen Geländewagen erwerben, der auch einen problemlosen Einsatz im Stadtverkehr ermöglichen sollte.
So teilte sich der Land Cruiser in nunmehr drei Grundmodelle auf und ermöglichte durch weitere Varianten dieser Modelle eine ungewöhnliche Vielfalt. Durch den Einsatz von unterschiedlichen Radständen und Aufbauten war jeder Wunsch zu erfüllen und machte das Angebot fast unüberschaubar.
Mit dem J8, dem J10 und dem aktuellen J20 wurde der Stammbaum des Station Wagon immer weiterentwickelt und der Prado als Nachfolger des Light Duty feierte seine offizielle Premiere als J9 und ihm folgten bis heute des J12 und der aktuelle J15. Zu jedem dieser Modelle erhält der Leser ebenso wertvolle Informationen, wie über die klassischen Land Cruiser und erhält so ein komplettes Bild der erfolgreichen Geländewagen-Baureihe von Toyota.
Im Schlusswort gibt es nochmal einen kleinen Überblick über die Entwicklung und zum endgültigen Abschluss liefert das Buch auch noch einen Überblick über alle Absatzzahlen von 1951 bis 2016. Zudem liegt dem Buch noch ein Poster bei, auf dem die Vielfalt des Land Cruiser nochmals verdeutlicht wird und viele Modelle auch mit einem kleinem Bild abgebildet werden.

Fazit: Der Land Cruiser ist einer der Kult-Offroader, von denen es im Vergleich zu den normalen Automobilen doch erstaunlich viele gibt. Mit dem nun aktualisierten Buch von Alexander Wohlfahrt liegt eine gute Übersicht über alle Modelle des Land Cruiser vor. Mit viel Hingabe und Erfahrung werden die einzelnen Modelle immer wieder in den wichtigsten Details dargestellt und die Bebilderung bringt zudem viele tolle Aufnahmen zum Vorschein, die den Land Cruiser in unterschiedlichsten Einsatzgebieten zeigt. Hier mischen sich sehr stimmig Werksaufnahmen mit Einsatzfotos und auch immer wieder lassen sich Prospekte und ähnliches entdecken. Zudem werden besondere Modelle, die neben dem schon umfangreichen Angebot erhältlich waren und auch viele Eigenheiten von anderen Herstellern in extra Bereichen vorgestellt. So geht kaum ein Detail verloren und für weiterführende Informationen verweist das Buch immer wieder auf entsprechende Seiten im Internet. Eine über 60jährige Modellgeschichte in einem Buch abzubilden, ist natürlich unmöglich und auch nicht der Anspruch des Buches. Der Heel Verlag hat das Buch auch in englischer Sprache im Angebot und unterstreicht hiermit auch gleichzeitig den internationalen Anspruch.
Technisch ist das Buch gut umgesetzt, einzig das glänzende Papier kann beim Lesen unter Kunstlicht das ein oder andere Mal ein störenden Faktor darstellten.
Der Preis von knapp unter 40 Euro ist für den Titel mehr als gerechtfertigt, denn als Monografie liefert es zum Toyota Land Cruiser alles Wissenswerte was in ein einzelnes Buch passt. Die Freunde des japanischen Geländewagen können bedenkenlos zuschlagen.

Bibliografie:
Titel: Legende Landcruiser – Toyotas Kult-Allradler – Alle Modelle und Baureihen von 1951 bis heute
Autor: Alexander Wohlfahrt
Umfang: 256 Seiten, 31 s/w- und 314 Farbabbildungen
Format: 245 x 290 mm
Bindung: gebunden mit Schutzumschlag
Auflage: 05/2018
Preis: 39,95 €
ISBN-Nr.: 978-3-95843-302-1
Bestellbar beim Verlag unter: www.heel-verlag.de

Text: Marco Rassfeld
Fotos: Patrick Ernzen ©2016 Courtesy of RM Sotheby’s, Marco Rassfeld