Buch – Lotus Europa

Colin Chapman’s mid-engined masterpiece – der Untertitel des neuen Buches von Veloce Publishing verrät schon einiges über einen besonderen Lotus. Mit dem Europa wollte Lotus seine Modellpalette nach unten erweitern und hatte dabei zunächst vor allem die Export-Märkte im Auge. Eine Monographie über den ersten Mittelmotor-Sportwagen nach dem zweiten Weltkrieg blickt auf seine Geschichte zurück.

Ein Lotus Europa in einer ungewohnten Umgebung ziert den Titel des Buches.

Das Buch ist im großen, quadratischen Format umgesetzt und macht durchaus etwas her. Eine immense Dicke kann man aber nicht erwarten, denn mit 128 Seiten ist der Umfang noch überschaubar. Trotzdem ist durch das Format ausreichend Platz für viel Texte und auch große Abbildungen. Der Titel zeigt einen knallgelben Lotus Europa in einer verlassene Industriehalle. Weitere Bilder finden sich auf der Rückseite wieder, der von einem Klappentext unterstützt werden. Auf der vorderen Klappe vom Schutzumschlag findet sich dann noch die Info zum Autor wieder, welcher schon seit 15 Jahren Bücher über klassische Automobile verfasst. Neben diversen englischen Klassikern stehen dabei auch Motorräder im Fokus. Auch über Lotus hat Matthew Vale schon einige Bücher verfasst, unter anderen auch den Titel über den Lotus Elan, der vom Heel Verlag ins Deutsche adaptiert wurde. Unter dem Schutzumschlag ist das Buch dann im schlichten Schwarz gehalten und lediglich auf dem Rücken findet sich der Buchtitel wieder.

Die erste Serie des Lotus Europa wirkte vom Design her unglaublich rein.

Beim Blick ins Buch landet man zunächst bei den Danksagungen des Autors und direkt daneben findet sich das Inhaltsverzeichnis. Das Buch teilt sich in sechs Kapitel in denen die Hintergründe zum Modell ebenso erläutert werden, wie die Entwicklung, der Motorsport und die Szene der klassischen Lotus‘.
Chapter 1 läuft dann zunächst unter dem Titel Lotus and its Europa. Nach einer kurzen Einführung erfährt hier der Leser die Geschichte von Lotus, seit dem ersten Umbau eines Austin Seven durch Colin Chapman im Jahr 1947. Zwei weitere, optimierte Austin Seven folgten und schon der Mark III war ein voller Erfolg. Mit ihm konnte Chapman viele Rennen gewinnen, ehe er schließlich durch das Verbot des modifizierten Einlasskrümmers von Wettbewerb ausgeschlossen wurde. Schon hier zeigte sich die hohe Kunst von Chapman mit unkonventionellen Ideen an die Spitze des Wettbewerbs zu gelangen. Er war stets an Rande des Reglements unterwegs und würde auch in Zukunft die ein oder andere Diskussion heraufbeschwören. 1952 gründete Chapman schließlich Lotus Engineering und schon fünf Jahre später war der Seven verfügbar. Bis heute eines des bekanntesten Modelle von Lotus und in Form von Caterham sogar noch heute käuflich zu erwerben. Die radikale Auslegung mit kompletten Komfortverzeicht ermöglichte unfassbare Fahrleistungen und war für den schnellen Erfolg von Lotus maßgeblich mitverantwortlich.

Viele Detail-Aufnahmen zeigen alles über den kleinen Lotus.

Ebenfalls im Jahr 1957 stellte Lotus auch sein erstes reines Straßenmodell vor, den Type 14, besser bekannt unter seiner Verkaufsbezeichnung Elite. Der Wagen verfügte über ein Monocoque als Glasfiber, einem Coventry Climax-Motor und ein sehr innovatives und stimmiges Design. Die technische Basis war zwar hochwertig, aber auch gleichfalls sehr teuer. So konnte man mit dem beeindruckenden Elite leider auch keine notwenigen Gewinne einfahren. So folgte schließlich 1962 der Elan, welcher durch eine durchdachtere Konstruktion eine höhere Chance hatte für Lotus auch wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Mit dem Europa wollte Lotus dann das Modellangebot nach unten erweitern, denn die Verkäufe des Seven gingen langsam aber beständig zurück. Das Kapitel blickt auch noch auf die Entwicklung des ersten Mittelmotor-Sportwagens von Lotus und stellt auch die unterschiedlichen Serien vor. Dazu gibt es einen Menge an Bildern, die vor allem den Europa zeigen, aber auch einige der anderen, erwähnten Lotus-Modelle finden sich wieder.
The Lotus Europa Series 1 – Type 46 lautet dann der Titel zum zweiten Kapitel und blickt intensiv auf die erste Serie des kleinen Lotus. Der extrem flache Europa konnte auch mit seiner Form für Aufsehen sorgen und war zunächst ausschließlich für den Export bestimmt. Der Motor stammte von Renault und leistete 78 bhp. Bei einem Gewicht von lediglich 610 kg sollte dieses aber ausreichen um beeindruckende Fahrleistung zu ermöglichen.

Der JPS war ein besonderes Modell, welche die Farben der Formel 1-Wagen trug.

Das Buch blickt dem Europa dann auch tiefer unter das Blech und startet passenderweise mit dem Chassis. Hierbei beschreibt der Text den technischen Aufbau, während die passenden Bilder einen unmittelbaren Eindruck dazu geben. Auch der Motor und der Kraftübertragung, die Aufhängung und Bremsen und die einteilige Karosserie werden noch thematisiert. Bei der ersten Seiten hatte der Europa die Besonderheit, dass die Fenster nicht versenkbar waren. Die Belüftung sollte angeblich ausreichen, führte aber dann schnell zu Problemen. Eine Eigenart, die dann wirklich nur die Modelle des ersten Serie hatten. Doch auch in der zweijährigen Produktionszeit der Series 1 geb es einige Änderungen, welche in einer Tabelle dargelegt werden. Dazu gibt es auch noch umfangreiche technische Daten zum Abschluss des Kapitels.
The Europa Series 2 – Type 54 and 65, 1969 to 1971 – die zweite Serie ist dann in logischer Folge im dritten Kapitel im Mittelpunkt. Die Serie hat gleich zwei Nummer, denn der Type 65 wurde ausschließlich für die USA produziert und den Besonderheiten des Marktes angepasst. Der Type 54 wurde ab August 1968 hergestellt und ab Juli 1969 auch auf dem heimischen Markt in Großbritannien verfügbar. Die Änderungen war mannigfaltig und sorgte für ein deutlich ausgewogeneres Fahrzeug. Optisch schnell zu erkennen an den nun zu öffnenden Fenstern, den neuen Türöffnern und der neuen Heckleuchten. Das Buch stellt im Verlauf auch immer wieder einige Modell vor, die sich mit ihrem Besitzern dem Leser präsentieren. Hier kann man unterschiedlichsten Modelle entdecken, die ausnahmslos beeindrucken können.

Auch in Rennen bewies der Lotus Europa und seine Abkömmlinge sein Können.

Die letzte Ausbaustufe war dann der Type 74, besser bekannt als Twin Cam Europa. Der Renault-Motor wurde nun durch den aus dem Elan bekannten Motor auf Ford-Basis ersetzt. Der Motor wurde von Lotus modifiziert und stellte eine Leistung von 113 bhp zur Verfügung. Zwar steigerte sich das Gewicht schon mit der Series 2 um 100 kg, aber die nun erhöhte Leistung sorgte für nochmals verbesserte Fahrleistungen. Als Special entwickelte der Motor ab 1972 sogar 126 bhp und konnte den Europa somit auf knapp 200 km/h beschleunigen. Auch optische Änderungen wurde abermals durchgeführt und lässt die Modelle schnell unterscheiden. So sind die Blinker nun neben den Hauptscheinwerfern untergebracht und das Heck wurde in der Höhe reduziert um die Sicht nach hinten ein wenig zu verbessern. Ein Sondermodell war in der Geschichte des Lotus Europa erhältlich. Die ersten 100 gebauten Twin Cam waren die heute gesuchten John Player Special, welche mechanisch keine Besonderheiten auswiesen. Die Optik lehnt sich mit schwarzen Lack und goldenem Dekor an den Rennwagen von Lotus an und eine Plakette im Innenraum trug die Limitierungsnummer.
Die verbleibenden zwei Kapitel stellen den Europa noch als Rennwagen in zeitgenössischen und klassischen Motorsport vor und geben Tipps zum Kauf und Betrieb eines Lotus Europa.

Fazit: Das neue Buch über den Lotus Europa blickt dem Mittelmotor-Sportwagen auch tief unters Blech. Mit einer Vielzahl an Bilder von ausgewählten Modellen ist auch oft die Sicht auf viele Details möglich. Dazu liefert den Text alle notwendigen Infos zum kleinen Lotus, ohne aber zu technisch zu werden. Jede Weiterentwicklung kann sehr gut nachvollzogen werden und wird auch unter Berücksichtigung der Einführung mit der, wenn vorhanden, passenden Chassis-Nummer belegt. Die vorgestellten Fahrzeuge werden dazu noch mit ihren Besitzern und der entsprechenden Geschichte vorgestellt.
Für umgerechnet knapp 45 Euro liefert der Titel somit alles für Lotus-Fans und im Speziellen natürlich für jene vom Modell Europa.

Bibliografie:
Titel: Lotus Europa – Colin Chapman’s mid-engined masterpiece
Autoren:Matthew Vale 
Umfang: 128 Seiten, 115 Farbbilder
Format: 250 x 250 mm
Sprache: Englisch
Bindung: gebunden mit Schutzumschlag
Auflage: 07/2019
Preis: £40.00
ISBN-Nr.: 978-1-787112-84-1
Bestellbar beim Verlag unter: http://www.veloce.co.uk

Text: Marco Rassfeld
Bild: tomini classics, Marco Rassfeld