Buchbesprechung – Lotus Elan

„Die britische Sportwagenlegende“ lautet der passende Untertitel zu einem neuem Buch über den Lotus Elan aus dem Heel-Verlag. Der zunächst als klassischer Roadster erhältliche Elan, sicherte Lotus‘ Existenz und ist bis heute noch ein beliebtes Fahrzeug. Vor allem bei zahlreichen historischen Rennveranstaltungen tauchen immer wieder Lotus Elan auf und machen das Feld unsicher.

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Beim ersten Blick kommt das Buch sehr klassisch daher und zeigt als Titelmotiv einen Elan sowie sein Coupéderivat Elan Plus 2 mit deutschen Kennzeichen. Ohne Frage ein Motiv, welches einiges für das Buch ausgewählt wurde. Das Buch stammt im Original aus den Englischen und Autor Matthew Vale hat bereits weitere Bücher über Lotus und auch Triumph-Modellen veröffentlicht. Erschienen ist das Original-Buchbei Crowood Press Ltd. im Jahr 2013 und die deutsche Übersetzung stammt von Heiner Stretkamp. Das Titelbild zeigt zwar nur zwei klassische Lotus Elan, aber auch der Elan aus den 90er Jahren, intern M100 genannt wird immer wieder berücksichtigt. So müssen auch Freunde des modernen Elan nicht auf ihr Modell verzichten. Nach kurzen Danksagungen und dem Vorwort startet das Buch direkt mit dem ersten von sieben Kapiteln. In „Der Lotus Elan und sein Umfeld“ zeigt das Buch erst noch den geschichtlichen Hintergrund zur Firma Lotus. Dazu wird die Ahnenreihe des Elan aufgezeigt und im speziellen der Elite, als direkter Vorgänger, wird dabei ein wenig umfassender vorgestellt. Hier zeigt sich das beim Layout und den gewählten Bilden eine moderne Umsetzung gewählt wurde. Der Text präsentiert sich in zwei Spalten und relativ formatfüllend in der Breite, während die Bilder zum großen Teil aktuelle Aufnahmen sind die augenscheinlich bei Clubtreffen und ähnlichen Veranstaltungen geschossen wurden. Doch das erste Kapitel hat noch mehr zu bieten und blickt auf die Produktionsgeschichte des Elan zurück, zeigt die entsprechenden Modell- und Projektnummern und bietet eine kurze Modellübersicht der einzelnen Elan-Modelle. Als Appetithäppchen für zwischendurch präsentiert das Buch die Geschichte von John Humfryes und seinem Elan. Abschließend liefert eine Tabelle noch die Preisentwicklung über die Produktionszeit der einzelnen Modelle.

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Im zweiten Kapitel aber geht es bewusst um ein klassisches Bauteil im Lotus Elan. Es handelt sich um den Lotus Twin-Cam-Motor der in den klassischen Elan zum Einsatz kam. Das Buch beschreibt sehr detailliert und mit viel Enthusiasmus alles Wissenswerte rund um das Herz des Elan. Der Motor bot für Lotus einige Vorteile. So konnte die Basis von Ford deutlich günstiger erworben werden als die bisher im Elite eingesetzten Coventry Climax-Motoren und zudem verfügte man über ein großes Potential um den Motor weiter zu verbessern. Auch der ansonsten biedere Ford Cortina wurde mit dem Lotus-Motor ausgestattet und konnte mit dem Motor und weiteren Optimierungen im Rennsport einige Erfolge einfahren. Mit dem Ford Cortina Lotus war eine echte Legende und Urahn der sportlichen Limousine geboren. Die Weiterentwicklung des Motors wird natürlich auch verfolgt und den Abschluss bildet auch hier eine Tabelle, diesmal mit den Leistungsangaben der unterschiedlichen Versionen des Twin-Cam-Motors, die im Elan zum Einsatz kamen. Auch die damals übliche, speziell abgasgereingten US-Versionen sind hier berücksichtigt.

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Im dritten Kapitel folgt dann der Blick auf den „originalen Elan“. Hiermit ist das Ur-Modell gemeint, welches im Jahr 1962 präsentiert wurde. Eben der klassische, zweisitzige Roadster, der später auch mit Hardtop und als Coupé erhältlich war und vermutlich sogar die Grundlage zu neuen Roadster-Boom lieferte, der durch den ersten Mazda MX-5 im Jahr 1989 eingeleitet wurde. Hier liefert das Buch alle Details zum Elan und blickt nochmals kurz auf die Motoren zurück, stellt Getriebe und Differenzial vor und zeigt den Fahrwerksrahmen. Dann werden noch die Aufhängungen von Vorder- und Hinterachse betrachtet, ehe es zu dem Rädern und Bremsen geht und das Buch schließlich bei der Karosserie landet. Der Blick in den Innenraum darf aber natürlich auch nicht fehlen. Dazu werden die einzelnen Serien und Modelle vorgestellt und die Unterschiede herausgearbeitet. So ist jeder Leser anschließend in der Lage die Modelle auseinander zu halten. Nach der Serie 1 ab Oktober 1963 folgte die Seite 2 ab November 1964 ehe mit dem Elan SE ab 1966 erstmals auch die Leistung gesteigert wurde. Bereits im September 1965 wurde das Elan Coupé präsentiert, bei dem das Hardtop fest mit der Karosserie verbunden war. Der entsprechende Roadster der Serie 3 folgte im Juni 1966. Eigens für die USA bot Lotus ab November 1967 den Elan Super Safety an, der die hohen Anforderungen an die passive Sicherheit erfüllte. Mit der Serie 4, die im März 1968 eingeführt wurde konnte der Elan diese Anforderungen generell erfüllen, so dass die Super Safety-Variante nicht mehr notwendig war. Die Serie war als Cabrio und Coupé, sowie in der leistungsgesteigerten SE-Variante erhältlich. Das letzte Modell stellte schließlich der Sprint ab Oktober 1970 dar, der eine weitere Leistungsteigerung auf 126 PS brachte und den krönenden Abschluss darstellte. Die Produktion der zweisitzigen Elan endete im August 1973. Ein Blick auf einen privaten Elan Sprint zeigt Alex Black mit einem tollen Lagunen-blauen Elan in tollen Zustand. Dazu zeigt das Buch auch noch einige Sonderausführungen des Elan. Dabei werden sowohl der CN Sprint und auch der Vegatune Evante vorgestellt. Dann finden sich noch das seltene IWR Coupé, der Shapecraft Elan Fastback und der Kombi Elanbulance wieder.

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Ein weiteres Modell des Elan war der ab 1967 eingeführte Elan Plus 2 der generell nur als Coupé erhältlich war und vor allem auch Platz auf den hintern Plätzen bot. Zwar waren die Platzverhältnisse dort sehr beengt und zumeist waren vermutlich Kinder auf den hintern Plätzen zu finden, aber der Anspruch einen größeren und auch komfortableren Elan zu erschaffen ist durchaus gelungen. Auch hier blickt das Buch auf die Entwicklung des Modells und alle technischen Details sowie die Karosserie und den Innenraum. Tom Favell stellt seinen roten Plus 2 vor und die technischen Daten werden ebenso geliefert. Ab 1968 kam der Plus 2S in den Handel und damit wurde die Ausführung nochmals deutlich hochwertiger. Eine Leistung von 126 PS bot dann der ab 1971 angebotenen Plus 2S 130, der auch als John Player Special Edition in kleinen Stückzahlen gebaut wurde. Mit dem Plus 2 130/5 konnte der Käufer ab 1972 sogar ein Fünfgang-Getriebe ordern, ehe die Produktion des Elan Plus 2 im Dezember 1974 auslief. Auch hier zeigt das Buch die Sonderausführungen in Form eines Cabrio und eines Kombis.
Der Original-Elan war eigentlich als Straßenfahrzeug entwickelt und schlug sich mit der Kombination des geringen Gewichtes, der durchaus hohen Leistung und des guten Fahrwerks aber auch sehr gut auf der Rennstrecke. Viele Käufer setzten ihren Elan in Rennen ein und schließlich bot Lotus ab 1964 mit dem Elan 26R eine Rennvariante an, die nach speziellen Anforderungen des einzelnen Kunden angefertigt wurden. Diese Elan wurde nur in kleinen Stückzahlen gefertigt und viele Elan wurde im Nachhinein für den Einsatz auf der Rennstrecke optimiert. Solche Umbauten gelten im Allgemeinen als Elan GTS und ein beeindruckendes Exemplar stellt Peter Shaw vor. Wie die Optimierung des 26R aus technischer Sicht erfolgte zeigt das Buch mit wiederum detaillierten Blick auf die Änderungen an Karosserie, Motor, Fahrwerk und Radaufhängungen sowie Getriebe und Kraftübertragung. Im übrigen bleibt nicht verborgen das auch einige Elan Plus 2 im Rennsport eingesetzt wurden.

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Der Elan M100 war schließlich die Neuinterpretation der Grundidee und wurde nach langer Entwicklungszeit im Jahr 1989 präsentiert. Das Buch liefert auch zu diesem Modell ein eigenes Kapitel und zeigt zunächst den steinigen Weg zum M100 auf, der auch durch die schwierige wirtschaftliche Lage von Lotus wiederspiegelt. So sind die ersten Ansätze zur Entwicklung eines Nachfolgers des Elan schon im Jahr 1974 zu finden um in Jahr 1982 gab es ein erstes 1:1-Modell des noch M90 genannten Modells. Durch den plötzlichen Tod von Clown Chapman wurde das Projekt dann wieder aus Eis gelegt und bis 1986 ging es mit dem Partner Toyota in kleinen Schritten voran. Inzwischen war man schon beim Frontantrieb angelangt. Dann erfolgte die Übernahme durch General Motors und Lotus war zumindest finanziell wieder in ruhigeren Gewässer angelangt. Die Nutzung von Toyota-Technologie war aber gleichzeitig nicht mehr möglich und so kam schließlich ein Motor von Isuzu zum Einsatz. Der Elan wurde dann in zwei Versionen vorgestellt: Als Elan und Elan SE mit Turbomotor. Das Buch zeigt auch hier wieder alle technischen Details und blickt auf Motor und Kraftübertragung, Fahrwerk und Radaufhängungen sowie auf Karosserie und Entwicklung. Ein großer Erfolg blieb dem M100 aber verwehrt. Nach der für General Motors-Verhältnisse geringen Stückzahl von 3855 Exemplaren von November 1989 bis Juli 1992 wurde die Produktion eingestellt. Allerdings sollte der Elan in der zweiten Serie von 1994 nochmals auferstehen. Unter der Regie von Bugatti, die Lotus von General Motors übernommen hatten, kamen nochmals etwa 800 Exemplare in den Handel. Zwischen 1996 und 2000 entstanden in Südkorea sogar nochmals weitere 796 Exemplare die als Kia Roadster und Kia Vigato verkauft wurden. Kia hatte die Produkionsanlagen des Elan von Bugatti übernommen. Der M100 hatte also im Prinzip drei Leben. Ein Blick in das Leben mit einem M100 zeigt Martin Houston und die Auflistung der technischen Daten ist obligatorisch.
Das letzte Kapitel bietet dann noch wichtige Tipps für den „Betrieb und Tuning des Elan“. Hierbei handelt es sich um keine klassische Kaufberatung, sondern vielmehr um einem Überblick über die notwendigen Wartungen und vor allem aber der vielschichten Modifikationen und Verbesserungen des Lotus Elan. Vielmals sind die Besitzer interessiert die optimale Performance aus ihren Fahrzeugen herauszuholen und die Originalität ist zumeist Nebensache. Der Elan ist halt ein klassisches Fahrerauto. Eine interessante Geschichte zu einem Elan S4 Coupé liefert noch Peter Isted.
Zum Schluss blickt das Buch noch auf weitere Informationsquellen rund um den Lotus Elan und zeigt Empfehlungen zu diversen Büchern (englisch), interessanten Händlern in Deutschland und England, einigen Clubs und auch Anlaufstellen im Internet. Eine Tabelle liefert dann noch eine Übersicht über die Schrauben- und Mutterngrößen bei Lotus.

Fazit: Ein erstaunlich komplettes Buch über ein wichtiges Modell in der Historie von Lotus. Die Darstellung vieler Details zeugt von hoher Fachkenntnis des Autors und liefert einen intensiven Blick auf den Elan. Dabei kommt das neuste Modell M100 vielleicht ein wenig zu kurz, kann aber gleichzeitig auf Grund seiner geringen Stückzahlen als Exot betrachtet werden. Ein wenig schade ist der fast vollkommende Verzicht aus historisches Bildmaterial. Spannende dagegen die extrem seltenen Sonderausführungen der klassischen Modelle die im Buch vorgestellt werden.
Technisch ist das Buch gut umgesetzt, allerdings ist die Wahl des Papiers mit doch sehr hohem Glanz beim Lesen unter künstlichen Licht nicht optimal.
Der Preis von 39,95€ geht aber absolut in Ordnung, da es sich vermutlich um das erste umfassende Buch in deutscher Sprache handelt. Alles in allen bietet das Buch einen umfassenden Blick auf den Lotus Elan, der kaum etwas vergessen lässt. Die Lotus Fans und vor allem natürlich die Fahrer des Elan können bedenkenlos zuschlagen!

Bibliografie:
Titel: Lotus Elan – Die britische Sportwagenlegende
Autor: Matthew Vale
Umfang: 176 Seiten, 5 s/w- und 253 Farb-Abbildungen
Format: 240 x 285 mm
Bindung: gebunden mit Schutzumschlag
Auflage: 2016
Preis: 39,95 €
ISBN-Nr.: 978-3-95843-381-6
Bestellbar beim Verlag unter: www.heel-verlag.de

Text: Marco Rassfeld
Fotos: By Spanish Coches (1967 Lotus Elan S3) [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons, Marco Rassfeld

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