Buch – The Great British Rally

75 Years – RAC to Rally GB -– The Complete Story. Gleich mehrere Untertitel verdeutlichen dem potentiellen Leser, was in dem noch frischen Buch von englischen Veloce Publishing auf ihn wartet. Passend zur 75. Ausgabe der Rallye in Großbritannien wurde das Buch zu einer der traditionellsten Rallye-Veranstaltungen überhaupt im vergangenen November veröffentlicht und blickt auf die lange Geschichte der Rallye zurück.

Bunter Titel für ein umfassendes Buch.

Im für Veloce Publishing bekannte quadratischen Format kommt das Buch daher und bringt gleich auf dem Titel einige Szenen aus den unterschiedlichen Epochen der Rallye zum Vorschein. So findet sich neben dem prominent abgebildeten Volkswagen Polo WRC unter anderem auch ein Peugeot 205 Turbo 16 oder ein Ford Lotus Cortina wieder. Dazu zeigt sich der Buchtitel im Stile eines klassischen Rallye-Schildes und sorgt für einen weiter verspielten Eindruck. Auf der Rückseite nimmt eine Kontur die Form des Schildes auf und darin ist der Klappentext platziert. Dazu kann man auch hier drei weitere Bilder entdecken, wobei auch die typisch englischen Vertreter der Rallye-Szene wie der Mini sowie der Ford Escort zu entdecken sind. Unter dem Schutzumschlag ist das Buch dann im schlichten Schwarz gehalten und lediglich auf dem Rücken findet sich der Buchtitel, die Autoren und das Verlagslogo wieder.
Bevor der Blick ins Buch geht noch ein kleiner Hinweis zum Wort Rallye, welches ursprünglich vom englischen Rally abstammt. Laut Duden sind beide Schreibweisen erlaubt, aber die französische Variante mit dem „e“ am Ende ist im deutsche Sprachraum deutlich geläufiger und auch nur diese Variante wird laut Duden mit dem Motorsport assoziiert.

Zu Beginn war die RAC Rally immer auch mit einer Concours‘ Veranstaltung verbunden.

Nach dem Aufschlagen findet der Leser als erstes schnell das Inhaltsverzeichnis, welches die Aufteilung in zehn Kapitel darlegt. Deutlich wird auch das im Buch die Ereignisse der Rallye in logsicher, chronologischer Reihenfolge aufgearbeitet werden. Doch zum Start findet sich zunächst eine Widmung von David Richard wieder. Der mit dem höchsten Verdienstorden ausgezeichnete Brite ist nicht nur als aktueller Chairman vom Motorsport UK mit der Rallye verbunden. In seiner Vita steht unter anderem ein zweiter Platz als Beifahrer bei der RAC Rally und als Chairman von Prodrive auch der erfolgreiche Einsatz der Subaru in dem 1990er Jahren in der Rallye-Weltmeisterschaft. In Anschluss erfährt der Leser dann von den beiden Autoren im Vorwort ihre Verbindung zur Rallye, wobei gleichzeitig auch ihre Passion zur Veranstaltung verdeutlicht wird. Schließlich bringt eine kleine Einleitung noch das Entstehen der Rallye in Großbritannien ans Licht, welche auf Basis von zwei historischen Artikeln aus der The Autocar zur Realität werden sollte. Nach den ersten Gedanken zu einer ersten Rallye aus der Insel folgte nur zwei Wochen später die Bestätigung für das kommende Jahr.

Nach und nach wurde der Sport nach dem zweiten Weltkrieg professioneller.

Kapitel 1 blickt dann unter dem Titel Driving Tests and Concours auf die erste und die folgenden Rallyes von 1932 bis 1939. Wie sich schon erahnen lässt, war die Veranstaltung keinesfalls mit den heutigen zu vergleichen und so waren auch nur Serienautomobile zum Start zugelassen. Die Verbreitung der Automobile befand sich noch in den Anfängen und so waren eher Herrenfahrer bei den ersten Ausgaben am Start. 1932 folgten nach einer Sternfahrt aus neun unterschiedlichen Startpunkten für die Fahrer vier Fahrtests, zu denen unter anderem das Langsam-Fahren zählte. Im Anschluss wurden die Fahrzeuge im Rahmen eines klassischen Concours präsentiert und konnten auch hier noch Preise einheimsen. Mit jedem Jahr wurde der Ablauf der Rallye leicht verändert und die Tests wurden deutlich anspruchsvoller. Durch verschiedene Klassen konnten die Leistungsfähigkeiten der Automobile unterschieden werden. In den Jahren vor dem zweiten Weltkrieg war die Teilnahme im übrigen auf Fahrer, Beifahrer und Fahrzeuge aus Großbritannien beschränkt.
Nach dem verheerenden zweiten Weltkrieg benötigte der Motorsport ein wenig Zeit um wieder an den sprichwörtlichen Start zu kommen. Kapitel 2 blickt so auf die Jahre von 1951 bis 1960 zurück, welche das Starterfeld schließlich auch für die internationale Konkurrenz öffnen sollte. Wie in jedem Kapitel findet sich zunächst ein Überblick über die Entwicklung in der Zeit des Kapitels im Rahmen des Rallye wieder, ehe die einzelne Aufarbeitung der jährlichen Veranstaltung folgt. Hierzu gibt es auch eine durchgehende Bebilderung, welcher aber zumeist nur recht kleine Abbildungen zum Vorschein bringt. Zudem werden auch die Ergebnisse, sowie weitere Fakten zur Rallye noch dargelegt.

Der Ford Escort konnte die 1970er bei der RAC Rally absolut beherrschen.

Special Stages and Scandinavians als Titel zum dritten Kapitel macht sofort die weitere Entwicklung der jährlichen Rallye in Großbritannien deutlich. So veränderte sich das Gesicht der RAC Rally nach und nach hin zum heute bekannten Ablauf. Auch die Eroberung dieser speziellen Fahranforderung durch eine Vielzahl an skandinavischen Fahrern und auch Fahrzeugen war typisch für die 1960er Jahre, wobei das Kapitel des Leser gar bis 1971 führt. Nachdem Erik Carlsson auf einem Saab schon 1959 die RAC Rally gewinnen konnte, folgten weitere Erfolge in den zwei kommenden Jahren. Weitere Erfolge von Landsmännern Carlsson’s folgten und es dauerte tatsächlich bis 1990 ehe ein Nicht-Brite und Nicht-Skandianvier die Rallye in Großbritannien gewinnen konnte! Dabei wurden auch die Fahrzeuge immer professioneller aufgebaut und entfernten sich nach und nach von den ursprünglichen Serienfahrzeugen. Gerade die englischen Hersteller setzten viel auf einen Erfolg bei der heimischen Rallye und sorgten unter anderem mit Austin-Healey 3000, dem Mini Cooper S (erstmals Sieger im Jahr 1965) und den ersten Ford Escort für viel Begeisterung bei den heimischen Medien und auch Zuschauern.
The Escort Era – auch dieser Kapitel-Titel verdeutlich unmittelbar was in den Jahren 1972 bis 1980 folgte. Die Entwicklung des Escort zum Rallye-Seriensieger bei der RAC Rallye erfolgte in England. Somit war die RAC Rally die Heim-Veranstaltung des Escort, der in zahlreichen Varianten bis 1979 jeden Sieg einfahren konnte. Dabei wurde das Modell immer weiterentwickelt und auch unterschiedlichste Fahrer konnten mit ihm den Sieg feiern. Erst 1980 konnte ein Talbot Sunbeam Lotus die beeindruckende Siegesserie beenden. Der Rallye-Sport wurde immer weiter professionalisiert und viele Hersteller wollten den Erfolg mit hohem Aufwand erreichen.

Nach der Gruppe B folgte die Gruppe A mit nicht minder interessanten Fahrzeugen.

Turbocharging, four wheel drive and Group B steht für die wohl bis heute spektakulärsten Rallye-Fahrzeuge der Geschichte, in der besonders potente Fahrzeuge am Start der Rallye standen. Nachdem Audi mit dem quattro den Allradantrieb und auch den Turbolader in der Szene salonfähig machen konnte, folgte die Konkurrenz in einer beeindruckenden Schärfe. 200 Fahrzeuge musste zur Homologation in der Gruppe B hergestellt werden, wobei 20 Exemplare mit diversen Evolutionsstufen verbessert werden konnten. Dies brachte Fahrzeuge wie den Lancia Delta S4, MG Metro 6R4 oder den Peugeot 205 Turbo 16 zum Vorschein. Allesamt von ursprünglichen Serienmodell abgeleitet Mittelmotor-Rennwagen, die ohne Kompromiss auf Alltagstauglichkeit konstruiert wurden. Eine schlimme Unfallserie mit zu unvorsichtigen Zuschauern im Jahr 1986 sorgte dann für das schnelle Ende dieser Rallye-Monster.
Doch der Rallye-Sport konnte sich schnell durch die The Group A era und den späteren World Rallye Cars wieder etablieren und verfügte weiterhin über eine beeindruckende Strahlkraft.
Die letzten beiden Kapitel zeigen dann unter Home, is Wales die Konzentration der Sonderprüfungen auf die Wälder in Wales, die von 2003 bis 2012 stattfanden. In The days in Deeside folgen dann noch die Jahre bis 2018 in denen die Basis der Rallye wieder deutlich näher an die Grenze zu England verlegt wurde. Dies ermöglichte einer breiteren Zuschauermaße die ehemals durch das komplette Königreich führende Rallye wieder zu erleben. Aus der RAC Rallye wurde zwischenzeitlich die Rally of Great Britian und bis heute trägt sie den Namen Wales Rally GB.
Das letzte und somit auch zehnte Kapitel bringt nochmals eine Übersicht aller Sieger der Rallye von 1951 bis 2018, die Jahre davor gab es keinen offiziellen Einzelsieger, sondern nur Gruppensieger. Diese sind den einzelnen Kapitel aber problemlos zu entnehmen.

Fazit: Das Buch über eine der ältesten Rallye-Veranstaltungen kommt durch die Veröffentlichung durch Veloce Publishing auch wie ein klassisches, englischen Motorsport-Buch daher und hat schon aus diesem Grund einen gewissen Charme. Das Buch bietet einen Überblick über alle Ausgaben der Rallye und bringt dazu auch viele zeitgenössische Fotos zum Vorschein. Dazu bekommt der Leser vor jedem einzelnen Kapitel auch die generellen Entwicklungen der Rallye-Szene mit und erfährt so die wichtigsten Hintergründe.
Zum Preis von umgerechnet knapp über 40 Euro ist das Buch ein Muss für alle Rallye-Fans, denen besonders die RAC Rallye bzw. Wales Rallye GB am Herzen liegt. Diese werden das Buch sicher lieben, aber auch generell Motorsport-Interessierte kann das Buch empfohlen werden.

Bibliografie:
Titel: The Great British Rally. RAC to Rally GB – The Complete Story
Autoren: Graham Robson, Martin Holmes
Umfang: 224 Seiten, 317 Abbildungen
Format: 245 x 245 mm
Bindung: Hardcover mit Schutzumschlag
Auflage: 11/2019
Preis: £35.00
ISBN-Nr.: 978-1-78711-368-8
Bestellbar beim Verlag unter: www.veloce.co.uk

Text: Marco Rassfeld
Fotos: Veloce Publishing, Volkswagen Motorsport, Marco Rassfeld