Buch – Volkswagen Typ 3

Geschichte – Technik – Varianten – was alles in dem neuen Buch aus dem Heel Verlag stecken soll, verrät der Untertitel. Mit dem Typ 3 wollte Volkswagen sich eine Klasse höher als der beliebte Käfer etablieren, welches mit durchaus erstaunlichen Erfolg gelang. Das Buch widmet sich ausschließlich diesen besonderen Volkswagen, den heute sicher noch viele in Erinnerung haben.

Eine Rarität auf dem Titel ist das Cabrio des Volkswagen Typ 3.

Der Titel des im klassischen Hochformat ausgeführten Buches ziert eine besonders seltene Variante des Type 3, ein Cabriolet. Dieses wurde offiziell nie angeboten und stellt damit eine echte Rarität dar, welche heute selbstverständlich im Museum zu finden ist. Dem Blauton des Fahrzeugs angepasst zeigt sich auch der gesamte Schutzumschlag, so dass ich eine stimmiges und farbenfrohes ergibt. Dazu kommt in großen, roten Buchstaben der Name des Fahrzeuges, welcher gleichzeitig auch der Titel des Buches ist. Dieser Schriftzug wird durch eine Glanzlackierung zudem noch weiter hervorgehoben. Auf der Rückseite lassen sich in vier Bilder noch weitere Varianten und Derivate des Typ 3 entdecken und der umfangreiche Klappentext klärt auf über den Inhalt des Buches. So werden auch die südamerikanischen Abarten des Volkswagen berücksichtigt und machen das Buch zum einer Betrachtung des internationalen Angebotes an Volkswagen-Modellen zur damaligen Zeit. Der Bezug von Buch ist in diesem Fall mit den gleichen Motiven bedruckt, so dass auch der Verlust des Schutzumschlages zu verschmerzen wäre. Nach dem Aufschlagen erwartet den Leser ein bedruckter Vorsatz, der eine zeitgenössische Anzeige des offiziell als 1600 angebotenen Typ 3 zeigt und viele Details des Wagens offenlegt. Ein gelungener Einstieg!

Viele Bilder finden sich im Buch wieder und sind nicht immer von guter Qualität.

Schnell folgt dann das Inhaltsverzeichnis, welches die Unterteilung des Buches in 19 Kapitel offenbart. Zunächst folgt aber noch die Danksagung, in der sich auch Hinweise auf einige weitere Quellen finden, die dem Autor auch als Quelle dienten. Für Interessierte lässt sich hier aber sicher noch einiges weiteres entdecken. Auch ein Hinweis auf die im Buch vielfach verwendeten Bilder gibt es noch zu entdecken, bei dem sich der Autor für die teilweise schlechte Qualität und die fast durchweg kleine Abbildungsgröße rechtfertigt. Es handelt sich oftmals um Bilder aus der Fangemeinde, die eine bessere Abbildung nicht zulassen.
Eine Typenübersicht des Volkswagen Typ 3 liefert dann das erste Kapitel des Buches. Generell war das Modell in vier Karosserie-Varianten erhältlich, neben den Stufenheck- und Fleißheck-Limousinen war auch ein Kombi und ein Coupé, als Karmann-Ghia erhältlich. Um diese Typen zu unterscheiden erhielten diese verschiedene Typnummer, denen die vorangestellt 3 gemein war. So war der Typ 31 für den ersten Typ reserviert, welche das klassische Stufenheck trug, auch das später erhältliche Fleißheck nutzte diese Nummer. Warum das kann heute nicht mehr stimmig nachvollzogen werden. Der große Karmann-Ghia, wie das Coupé inoffiziell auch genannt wurde, war der Typ 34 und der Variant schließlich der Typ 36. Doch neben den hiesigen Modellen werden auch die brasilianischen Typen noch berücksichtigt und auch zum Typ 4 finden sich noch einige Infos wieder. Das es mit dem Abkürzungen der Bulli-Varianten von T1 bis T6.1 zu Verwechselungen kommt, werden auch diese kurz gezeigt.

Auch ein Blick in die Produktion findet sich im Buch wieder.

Schriftzüge und Logos gab es während der immerhin 20jährigen Bauzeit des Volkswagen Typ 3 reichlich und werden in einer Art Collage rein bildlich im zweiten Kapitel dargestellt. Dies ist zwar generell interessant, aber die Abbildungen wurden zu Massen auf einer Seite platziert und leider wirkt das Ganze dadurch recht lieblos.
Inhaltlich mit viel Text zeigt sich dann aber das folgende Kapitel, welches sich um die Fahrgestellnummern kümmert. Hier lässt sich bei Lesen und Betrachten schnell feststellen, dass der Autor mit viel Hingabe sich dem Volkswagen Typ 3 vornahm um dieses Buch zu verwirklichen. Die vielen Abbildungen mit unterschiedlichen Plaketten und eingeschlagenen Nummern zeigen die diversen Stellen an denen diese angebracht waren. Selbstverständlich schlüsselt der Text auch die Nummern auf. Des Weiteren werden auch die Farbnummern, das verwendete Glas und die Motoren des Typ 3 vorgestellt. Dazu gibt es noch eine tiefergehende Darstellung des Modellcodes, die Möglichkeit eines Geburtsurkunde des Herstellers zu bekommen und auch die entsprechenden Produktionszahlen. Insgesamt wurde das Modell mit den brasilianischen Derivaten über 3 Million mal hergestellt und kann schon deshalb als voller Erfolg gelten. Wie zum Beweis gibt es einen, zugegeben sehr britischen, Vergleich mit anderen, beliebten Modellen aus der Zeit.

Mit dem Karmann-Ghia 1500 bzw. 1600 war auch ein ansprechendes Coupé erhältlich.

Mit viel Fleißarbeit wurde dann sicher Kapitel 4 realisiert, in dem sämtiche Optionale Ausstattung vorgestellt wird. Nach einer umfangreichen, tabellarischen Auflistung folgen auch viele Bilder mit interessanten Details. Auch das Zubehör war damals schon bei vielen Käufern beliebt, wobei eine lückenlose Auflistung sicher unmöglich scheint. Hier nutzt das Buch abermals viele Abbildungen um die zahlreichen Möglichkeiten der nachträglichen Individualisierung aufzuzeigen.
Dann startet mit dem mittlerweile schon fünften Kapitel ein Blick auf die Entwicklung und Prototypen, welche auf dem Weg zum neuen Volkswagen Typ 3 entstanden. Volkswagen hatte mit dem Käfer eine Modell im Angebot, welches den Nerv des Nachkriegszeit perfekt traf und zum vollen Erfolg wurde. Aber mit der Zeit wuchsen auch die Ansprüche der Kunden und man wollte auch eine Klasse höher nicht kampflos den Konkurrenten überlassen. EA stand für Entwicklungsauftrag und viele dieser gingen dem Serienmodell vor und sind im Buch auch wiederzufinden. Aber auch Porsche lieferte mit einige Typen seine Vorschläge für den großen Volkswagen. So lassen sich hier wirklich viele Konzepte entdecken, die sicherlich nicht alle samt bekannt sein dürften. In der Öffentlichkeit wurden diese Entwicklung auf Druck der Presse gar gemeinsam präsentiert. Denn man warf Volkswagen vor, keine Entwicklung zu betreiben und sich stattdessen auf dem Erfolg des Käfer auszuruhen. Dies war keinesfalls der Fall. Auch das erste Presseecho findet sich noch wieder, wobei selbst Der Spiegel über den neuen Volkswagen berichtete.

Der SP-2 aus brasiliansicher Produktion war eine besonders interessanter Sportwagen.

Der Beginn ist dann der Titel zum Start der genaueren Betrachtung des deutschen Typ 3, welche sich über vier Kapitel erstreckt Hierbei werden alle Entwicklungen des Fahrzeugs akribisch darlegt und auch wieder mit eine hohen Anzahl an Bilder gearbeitet. Nachdem als erstes die Baujahre von 1961 bis 1965 die Basis bildeten, folgten von 1966 bis 1969 einige tiefgreifende Änderungen. So war nun das Fließheck verfügbar, ein neuer 1600er Motor mit Zweifachvergaser war erhältlich und vorne kamen nun Scheibenbremsen zum Einsatz. Eine weitere, optisch deutlich Änderung war die Einführung des sogenannten Langschnauzers für die Modelljahre 1970 bis 1973. Hierbei wurde der Vorderwagen um 143 mm verlängert, was sowohl der Sicherheit als auch dem Ladevolumen zu Gute kam. Den Coupés und Cabrios von Karmann fällt eine Sonderrolle zu, so dass diese auch in einem eigenen Kapitel vorgestellt werden. Das Cabrio war im Übrigen nie offiziell erhältlich und deshalb wurden nun wenige Fahrzeuge gefertigt. Zwar waren schon die passende Prospekte gedruckt, aber man entschied sich kurzfristig gegen die Serienproduktion.
Das Buch liefert auch noch Informationen zu den kaum veränderten Fahrzeugen aus australischer und südafrikanischer Produktion. Auch der Kastenwagen vom Typ 36 wird noch ein eigens Kapitel gewidmet. Und auch die in Brasilien gefertigten Modelle 1600 und Typ 30, sowie die sportlicheren Karmann-Ghia 1600TC und SP-2 werden in jeweils eigenen Kapiteln beleuchtet. Zum Abschluss folgt noch ein Was Wäre wenn … ?, in dem die möglichen Weiterentwicklung des Typ 3 verfolgt wird.

Fazit: Ein Buch über den Volkswagen Typ 3 in diesem Umfang war bisher nicht erhältlich und ist deshalb schon eine Blick wert. Das es sich hierbei um die Adaption eines Buches vom englischen Veloce Publishing handelt und von einem mittlerweile in Australien lebenden Autor stammt, stimmt dabei ein wenig nachdenklich. Leider wird hierbei auch das wenig stimmige Layout mit drei Spalten und einer Vielzahl an kleinen Abbildungen adaptiert, so dass es sich keinesfalls um ein optisches Highlight handelt. Doch die Texte und auch die Bilder zeigen die Hingabe und die Mühen des Autors und der kompletten Fangemeinde, die an der Entstehung des Buches mitgeholfen haben. Viele interessante Informationen liefert hierbei auch der Blick in die ausländischen Derivate des Volkswagen Typ 3.
Zum fairen Preis von 35 Euro kann der Käufern einen einmalig tiefen Blick auf die Geschichte des dritten Volkswagen werfen. Für die Fans ist das Buch eine sichere Empfehlung und für eine vollständige Automobil-Buchbibliothek ist das Buch ebenso unverzichtbar.

Bibliografie:
Titel: Volkswagen Typ 3 – Geschichte – Technik – Varianten
Autor: Simon Glen
Umfang: 176 Seiten, zahlreiche Abbildungen
Format: 245 x 290 mm
Bindung: Gebunden mit Schutzumschlag
Auflage: 03/2020
Preis: 35,00 €
ISBN-Nr.: 978-3-95843-993-1
Beim Verlag unter: www.heel-verlag.de

Text: Marco Rassfeld
Fotos: Heel Verlag, auto motor und sport, Marco Rassfeld