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Buchbesprechung – Mille Miglia

Das italienische Straßenrennen Mille Miglia mit Start- und Zielpunkt in Brescia ist längst Legende. Ein solche halsbrecherisches Abenteuer wäre bei dem heutigen Verkehrsaufkommen und den Sicherheitsvorschriften absolut nicht mehr denkbar. Ein Buch vom Leonardo Aderbi erschienen im Heel-Verlag blickt zurück.

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Das Buch startet direkt durch und klärt vorab die Frage „Warum so ein Rennen?“. So blickt das erste Kapitel auf die Hintergründe und die Entstehung des neuen Rennens durch Italien. Grundgedanke war die Leistungsfähigkeit der käuflichen Automobile über eine lange Strecke zu beweisen. Und so startete die erste Mille Miglia im Jahr 1927 am 26./27. März mit 77 Fahrzeugen und der erste Sieg gelang schließlich Ferdinand Miniola und Giuseppe Morandi in einem OM 665 Sport. Dabei benötigten sie knapp über 21 Stunden und erreichte eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 77,238 km/h.

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In den Jahren gelang es den Veranstaltern ein immer größerer Anklang in der Presse sowie bei den Herstellern und Rennfahrern zu erzielen. Dabei zählte vor allem die Marke Alfa Romeo zu den glorreichen Siegern und lediglich Rudolf Caracciola und Wilhelm Sebastian konnten 1931 mit einem Mercedes-Benz SSKL die herausragende Siegesserie der Mailänder unterbrechen. Bis 1938 gingen alle weiteren Siege an Alfa Romeo und ein gewisser Enzo Ferrari war daran als Rennleiter nicht ganz unbeteiligt. Im Jahr 1938 passierte ein verheerender Unfall in Bologna und unmittelbar wurde das Rennen für die Zukunft abgesagt. Es sollte keine Mille Biglia mehr geben …

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Bereits 1940 aber kam es zu einer Neuauflage, nachdem der Versuch einer „afrikanischen“ Mille Miglia von Tobruk nach Tripoli schon 1939 stattfand.  Die neue italienische Mille Miglia führt nun über einen abgesperrten Rundkurs der die Städte Brescia, Cremona und Mantua mit einer Länge von 165 Kilometer verband. Die Teilnehmer hatten neun Runden zu bewältigen und so betrug die Gesamtlänge 1485 Kilometer. Enzo Ferrari trat mit seinem ersten eigenen Auto, dem Auto Avio Costruzioni 815S  an. Auch BMW war mit dem 328 in verschiedenen Versionen vertreten und gewann mit den Fahrern Felix Huschke von Haustein und Walter Baumer in ihrem BMW 328 mit der von Touring gebauter Superleggera Coupé-Karossiere das Rennen. Dabei betrug der Schnitt höchst beeindruckende 173,102 km/h!

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Nach dem Weltkrieg wurde die Mille Miglia wieder nach dem alten Muster auf öffentlichen Straßen abgehalten, allerdings mit neuer Streckenführung. Das Jahr 1947 sollte schließlich den letzten Sieg für Alfa Romeo bringen, Clemente Biondetti und Emilio Romano gewannen in einem Alfa Romeo 8C 2900B an zweiter Stelle fuhr Taxi Nuvolari ins Ziel in einem Cisitalia 202 SMM der durch die Unwetter am Rennende erheblich an Boden verloren hatte.

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Alfa Romeo sollte mit 11 Gesamtsiegen Rekordsieger bleiben obwohl ab 1948 auch die Marke Ferrari immer stärker wurde und bis 1957 insgesamt 8 Siege einfahren konnte. In den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg wurden die Rennwagen immer schneller und das Rennen entsprechend gefährlicher. Auch die Teilnehmerzahl explodierte und die vielen Teilnehmer wurde in fast jährlichen wechselnden Klassen aufgeteilt. Neben den schrecklichen Unfällen trug so wohl auch der Größenwahn ein wenig zur Einstellung des Rennbetriebs bei.

Das Buch liefert zu jedem Jahr einen kurzen Report mit den wichtigsten Fakten und sowohl organisatorische als auch renntechnische Belange werden dabei berücksichtigt. Die üppige Bebilderung bildet eine perfekte Basis um die Geschichte und Entwicklung des Rennens über 30 Jahre zu verfolgen.

Fazit: Ein tolles Buch über die Mille Miglia welches auch hinter die Kulissen des Rennens blickt und unter der gekonnten Berücksichtigung vieler historischer Quellen entstanden ist. Ein empfehlenswerter Überblick über 30 Jahre Renngeschichte – insbesondere der Italienischen.
Technisch ist das Buch sehr gut umgesetzt und weder Druck noch Bindung bieten Raum zur Kritik.
Für den Preis von lediglich 29,95€ ist das Buch ein echtes Schnäppchen und bietet Fans des historischen Rennsport eine ideale Möglichkeit einem Überblick über die Mille Miglia zu erhalten.

Bibliografie: Mille Miglia – 1927 – 1957, Autor: Leonardo Acerbi, 208 Seiten, ca. 220 Abbildungen, 260 x 260 mm, gebunden mit Schutzumschlag, Auflage: 2013, Preis: 29,95€, Verlag; Heel, ISBN: 978-3-86852-481-9
Bestellbar beim Verlag unter: www.heel-verlag.de

Text: Marco Rassfeld
Fotos: Bonhams, Heel Verlag, Marco Rassfeld

Eine Antwort auf „Buchbesprechung – Mille Miglia“

[…] Leonardo Acerbi wiederzufinden. Dieser hat schon einige Bücher veröffentlicht unter anderem auch ein weiteres Buch über das Rennen und ein weiteres mit den Mille Miglia Portraits. Das erste wurde gar vom deutschen […]