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Buch – Stars & Cars

Neben den reinen, oftmals dokumentarischen Bücher über Automobile gibt es auch Bücher, welche sich auferlegt haben, das Automobil künstlerisch in Szene setzen zu wollen. Fraglos entstehen so immer wieder beeindruckende Motive, die man nicht vergisst. teNeues hat nun den Blick des bekannten Fotografen Edward Quinn auf die Stars & Cars neu aufgelegt und gibt dem Betrachter die Möglichkeit sich in die Unbeschwertheit an der Côte d’Azur in der 1950ern zurückzuversetzen.

Ein Superstar auf dem Titel macht sofort neugierig.

Schon die 2008 veröffentlichte Erstausgabe von Stars & Cars war im betont großen Format ausgeführt, welches auch das sogenannte Updated reprint aus diesem Jahr nutzt. Dieses gibt natürlich den hier entscheidenden Bildern die Möglichkeit sich ansprechend zu entfalten und sich im großen Format zu präsentieren. Der Titel zeigt welche Möglichkeiten dieses Format den Bildern gibt, denn erkennen kann man hier Brigitte Bardot in einem offenen Cabriolet, welches im Buch dann als Simca Aronde Week-end identifiziert wird. Das Bild entstand während des Cannes Film Festivals im Jahr 1956, in diesem Jahr gelang der Schauspielerin mit dem Film »… und immer lockt das Weib« der internationale Durchbruch. Neben diesem Zeitdokument in Schwarz-Weiß findet sich der Buchtitel mit einer goldenen Heißfolie in großer, geschwungener Schrift wieder. Auch die weiteren Angaben wie Autor bzw. Fotograf, der Verlag und auch die Editoren des Buches werden auf diese Art und Weise umgesetzt, so gibt der Titel ein sehr gelungenes Gesamtbild gibt. Dazu verbindet die Umsetzung mit der zurückhaltenden Farbe und dem gleichzeitigem Metallic-Effekt etwas Besonderes ohne das tragende Motiv zu stören. Der Rücken und die Rückseite des Buches sind dann in einem passenden goldenen Hintergrund gestaltet, auf der sich nur weiße Schrift befindet. Der Klappentext findet sich in Englisch und Deutsch wieder und weist unter anderen auf die Anzahl der im Buch abgedruckten Fotografien hin. Man merkt also schon bei der Analyse der Titelseite die hohe Art der Kunst, welche für ein solches Buch kaum passender sein könnte.

Die Darstellung der Menschen und der Automobile ist durchgehend beeindruckend.

Auch der Vor- und Nachsatz wurden im schlichten Goldton eingefärbt und bildet somit den Übergang zum Inhalt, der im reinen Schwarz-Weiß umgesetzt wurde. Das Buch verzichtet dann auch bewusst auf ein Inhaltsverzeichnis und bringt zunächst einen einleitenden Text aus der Feder von Jürgen Lewandowski. Nacheinander ist dieser Text in Englisch, Deutsch, Französisch, Spanisch und Italienisch im Buch wiederzufinden. Hier erläutert Lewandowski unter der passenden Überschrift Und der Spaß ist garantiert die Lebenslage der High Society in den 1950er Jahre an der französischen Mittelmeerküste. Es herrschte nach den schlimmen Kriegsjahren eine große Aufbruchstimmung und das sonnenverwöhnte Gebiet rund um Nizza, Saint Tropez, Cannes und Monte Carlo zog internationale Stars magisch an. Selbst viele US-Amerikaner fanden den Weg hierher und erfreuten sich an den für sie besonders günstigen Preisen. Das auch die Automobile ein beliebtes Fortbewegungsmittel an den Straßen entlang der Küste und den Boulevards waren, schien in dieser Zeit unvermeidbar. Schließlich galt schon damals »Gesehen und Gesehen werden.«. Die Texte werden schon hier durch einige Bilder aus dem reichen Archiv von Edward Quinn unterstützt und bringen schon einen kleinen Vorgeschmack auf das, was der Leser im Buch wiederfinden kann. Ob ein Ferrari 250 GT SWB Spyder California mit Roger Vadim und Catherine Deneuve, Sophia Loren im 1949 Buick Roadmaster oder auch Stirling Moss mit seinem Mercedes-Benz W 196 bei Grand Prix von Monaco im Jahr 1955 – man kann allerlei entdecken.

Viele Berühmtheiten tummelten sich an der französischen Mittelmeerküste.

Dann folgt der Übergang zu den Fotografien, die nun immer mindestens eine einzelne Seite zur Verfügung haben. Schon auf der ersten Doppelseite findet man auch heute noch bekannte Namen wie Kirk Douglas oder Marlene Dietrich, die sich in nicht minder bekannter Gesellschaft von Edward G. Robinson bzw. Jean Marais befinden. Da Edward Quinn zu seinen Fotografien auch immer die notwendigsten Notizen zu Aufnahme-Ort und -Grund verzeichnet hat erhalten die Leser in der jeweilige Bildunterschrift die passenden Informationen. So finden sich die beiden US-Schauspieler 1953 im lockeren Gespräch vor dem Carlton Hotel in Cannes, während sich Marlene Dieteich gemeinsam mit Jean Marais noch im Auto befinden auf Anfahrt zur Polio Gala im Sporting d’Ete in Monte Carlo im Jahr 1954. Dazu gibt es auch die Informationen zu den zu erkennenden Automobilen, welche aber im Nachhinein durch Experten und Kenner der Szene erkannt werden mussten. Somit erhält man zu jedem Bild die passenden Infos und kann auch heute nicht allgemein bekannte Stars und auch Cars identifizieren.

Gerade vor Hotels war die Möglichkeit die hohen Gäste im Automobil zu „erwischen“ hoch.

Quinn setzt hierbei kaum auf gestellte Fotos, sondern schien seine Fotomodelle des Öfteren gar „erwischt“ zu haben. Vielfach finden sich Anfahrten zu roten Teppiche wieder, aber auch vollkommen unspektakuläre Szenen wie die Ankunft am Hotel finden sich so wieder. Durch die Umsetzung sind die Bilder aus dem normalen Leben der Stars entnommen und zeigen diese in auch für Fans ungewohnten Umgebungen. Das Automobil war als Zeichen der fortschreitenden Mobilität ein unverzichtbares Gut in der damaligen Zeit und vor allem das Offenfahren in unterschiedlichsten Cabriolets über die Straßen der berühmten Plätze und Stellen der Côte d’Azur war eine gute Möglichkeit gesehen zu werden und somit zugleich auch Eigenwerbung zu betreiben. Neben Schauspieler und Schauspielerinnen finden sich auch Models, Regisseure und Künstler wieder. Auch bei den Automobile zeigt sich eine erstaunliche Vielfältigkeit und bringt Sportwagen, Limousinen, Coupés und natürlich Cabriolets zum Vorschein. Der Fokus liegt hierbei aber mehr auf den Stars und die Autos runden die Kulisse ab, stehen selten aber auch im Mittelpunkt.

Auch hochrangige Politiker gaben sich ein Stell-Dich-Ein an der Côte d’Azur.

Dabei finden sich nicht nur aktuelle Modelle der damaligen Zeit wieder, sondern auch schon für damalige Verhältnisse gereiftere Autos sind zu erkennen. Zum Beispiel kann man einen Talbot Lago T26 Record Convertible mit einen Karosserie von Henri Chapron entdecken oder einen Bugatti 57C mit Gangloff-Karosserie aus dem Jahr 1938, bei dem sogar die Chassis-Nummer bekannt ist und natürlich auch nicht geheim gehalten wird. Hieran erkannt man auch die Hingabe mit deren die Bilder analysiert wurden um neben den Stars auch die Cars zu erkennen und so das Erlebnis für ein breiteres Publikum zu öffnen. Auch einfache Autos wie die Traction Avant von Citroën, ein Panhard Dyna X oder auch ein Renault 4CV finden sich wieder.
Die Qualität der Bilder ist dabei recht unterschiedlich und reicht von perfekten Aufnahmen bis hin zu unscharfen Fotos, die aber auch ihren ganz eigene Charme besitzen und das Buch sehr gut abrunden. So sieht man schon mal die Stars von hinten in die Autos steigen oder auch beim einfachen Vorbeifahren. Zu entdecken gibt es also Vieles und das Buch entführt die Betrachter so gekonnt in die Epoche der 1950er Jahre, die in Südfrankreich eine herrliche Leichtigkeit und Unbeschwertheit besaßen.

Fazit: Das nun veröffentlichte Updated reprint von Stars & Cars ist ein Highlight für einen breite Interessengruppe. So ist das Buch fraglos für die Kunstszene interessant durch den besonderen Blick des Fotografen Edward Quinn auf die damalige Szenerie. Dazu werden auch die Fans der Stars der 1950er mit hoher Wahrscheinlichkeit ihre Lieblinge entdecken können. Auch für die Modewelt ist der Rückblick interessant und für Fotografen logischerweise so oder so. Dieser Blick vollzieht dann aber auch einen gelungenen Blick auf die Automobile der damaligen Zeit und bringt tolle Fahrzeuge in ihrer üblichen Bestimmung zum Vorschein. Heute sind die Modelle teilweise von unschätzbarem Wert und so natürlich von den Straßen verschwunden. Umso erfreulicher ist dann der Anblick der Stars & Cars in dieses Buch.
Zum Preis von glatt 50 Euro ist das Buch ein interessanter Seitenblick auch für Automobil-Fans, denn die Darstellung ist einmalig und zugleich besonders. Das große Format liefert ein perfektes Coffee Table-Book und kann am besten in Ruhe genossen werden.

Bibliografie:
Titel: Stars and Cars
Autor: Edward Quinn
Umfang: 256 Seiten, 150 Schwarz-Weiß-Abbildungen
Sprachen: Englisch, Französisch, Deutsch, Italienisch, Spanisch
Format: 281 x 345 mm
Bindung: Hardcover
Auflage: 03/2021
Preis: 50,– €
ISBN-Nr.: 978-3-96171-294-6
Bestellbar beim Verlag unter: www.weltbild.de

Text: Marco Rassfeld
Fotos: © edwardquinn.com. All rights reserved
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