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Er war dem Mann restlos verfallen …

Jakob Werlin – Direktor bei Daimler-Benz und Freund des „Führers“

Die Vergangenheit war auch für die Automobil-Industrie nicht immer einfach und man musste sich mit den politischen Gegenheiten arangieren. Hierzu zählte auch die Zeit vor dem zweiten Weltkrieg, in der die Automobile auch ein wichtigste Instrument der Politik wurden. Wichtige Menschen wurde dabei zu Verbündeten der Nationalsozialisten, was auch für Jakob Werlin galt. Ein Buch arbeitet nun seine wahre Geschichte auf, denn Er war dem Mann restlos verfallen …

Der Titel zeigt ein Bild mit Jakob Werlin und Adolf Hitler im Schauraum der Mercedes-Benz-Niederlassung in München.
Der Titel zeigt ein Bild mit Jakob Werlin und Adolf Hitler im Schauraum der Mercedes-Benz-Niederlassung in München.

Das Buch ist recht kompakt ausgeführt und entspricht so eher einem Taschenbuch. Dadurch glänzt es durch eine sehr gute Handlichkeit und kann problemlos auch ohne Tisch gelesen werden. Dies ist der Tatsache gegründet, dass der Titel sehr textlastig ist um die interessante Geschichte hinter einem Direktor von Daimler-Benz zu erzählen. In diesem Rahmen also eine passende und gute Umsetzung.

Der Titel trägt die vielsagende Aussage Er war dem Mann restlos verfallen …, damit ist die enge Verbindung zwischen Jakob Werlin und Adolf Hitler gemeint. Passend dazu findet sich auch ein Foto auf dem Titel wieder, in dem beide sich neben einem Mercedes-Benz Typ 500 wiederfinden. Die Faszination der Automobile, welche in den 1930er deutlich Fortschritte machen sollten, konnte sich auch das Staatsoberhaupt nicht entziehen.

Somit gibt der Titel einen guten Vorgeschmack, auf das was den Leser erwartet. Der Rest des Buches ist betont nüchtern gehalten und nutzt aber noch einen roten Rahmen um die passende Sub-Headline zu platzieren. Dies gibt dem Buch ein wenig mehr Farbe und sorgt dadurch für mehr Aufmerksamkeit im Bücherregal.

Er war dem Mann restlos verfallen … - Schon im kurzen Prolog wird die wichtige Rolle von Jakob Werlin deutlich und weckt das Interesse.
Schon im kurzen Prolog wird die wichtige Rolle von Jakob Werlin deutlich und weckt das Interesse.

Auf dem Rücken findet sich dann der Klappentexten wieder. In diesem werden die Verbindungen von Jakob Werlin innerhalb der Automobil-Industrie deutlich. So kann man seine Verbindung zum Automobil schon in wenigen Worten nachvollziehen. Dabei war er ebenso als Rennfahrer aktiv wie später ein wichtige Verbindungs-Person zwischen Daimler-Benz und den Nationalsozialisten. Dadurch war er auch in die Entwicklung des Volkswagen involviert.

Nach dem Aufschlagen des Buches findet man dann ein gut sortiertes Inhaltsverzeichnis wieder, welche das Buch in neun Hauptkapitel teilt. Darunter finden sich weitere Unterkapitel, welche durch die vielsagenden Überschriften die Orientierung im Buch erleichtern. Dabei nutzt das Buch generell eine chronologische Reihenfolge um die Geschichte auch in der passenden Reihenfolge zu erzählen.

Mit umfangreichem Texten wird die Geschichte der deutschen Automobil-Industrie
in Bezug auf den Protagonisten detailliert wiedergegeben.

Nach einem kurzen Prolog folgt zunächst der Blick auf die frühen Jahren von Jakob Werlin. Er wurde in Graz geboren und das Buch nimmt den Leser durch gelungene Worte und einer detaillierten Darstellung mit in die damaligen Verhältnisse. 1896 geboren fing Jakob Werlin bei Puch an zu arbeiten und fuhr auch für die Marke mit Begeisterung Motorrad-Rennen. Wenig später meldete er sich zum freiwilligen Militär-Dienst und wurde im ersten Weltkrieg zum Automobil-Fachmann in der bayrischen Armee.

Nach dem ersten Weltkrieg folgt übernahm Jakob Werlin dann die Leitung der Essener Niederlassung von Hansa-Lloyd. 1921 wurde Hansa-Lloyd allerdings aufgeteilt und Werlin ging zurück in den Süden. Dort hatte er den Auftrag die Niederlassung von Benz & Cie. in München aufzubauen. Schon drei Jahre später folgte die Zusammenführung mit Daimler und durch seine inzwischen lange Erfahrung konnte eine äußerst erfolgreiche Niederlassung aufbauen.

Un jenen Jahren saß Adolf Hitler im Gefängnis in Landsberg und schrieb aus der Haft einen Brief an Jakob Werlin mit der Bitte, nach seiner Freilassung einen grauen Benz zu übernehmen. Er hatte zwar nicht die finanziellen Mittel für solch ein Fahrzeug aber wollte sich seinen automobilen Traum dennoch mit Nachdruck erfüllen. Doch dieser und auch weitere Briefe verließen das Gefängnis auf illegalen Wege und verhinderten die geplante vorzeitige Entlassung aus der Haft.

Deutsche Automobile spielten auch beim Einmarsch in Österreich eine wichtige Rolle.
Deutsche Automobile spielten auch beim Einmarsch in Österreich eine wichtige Rolle.

Doch dies alles sollte nur der Anfang der Beziehung von Jakob Werlin und Adolf Hitler sein. Diese wird in dem Buch eingehend analysiert und stellt dabei auch immer wieder weitere Personen vor. Darunter auch unter anderem Ferdinand Porsche, der schließlich später die Entwicklung des Volkswagen vorantreiben sollte. Werlin nutzt schließlich seine Beziehung zu den politischen Machthabern um bei Daimler-Benz einen Direktor-Posten zu erlangen.

Dadurch erhoffte man sich bei der Daimler AG vermutlich einen guten Draht zu den neuen politischen Führern und wollte das Netzwerk von Werlin nutzten. Dies stieß zwar bei vielen Menschen in seinem Umfeld auf wenig Verständnis, aber in jenen Jahren war dieses unvermeidbar. Und die Zeiten wurden immer schwieriger in denen Jakob Werlin weiterhin an der Seite von Adolf Hitler stand …

Fazit: Das Buch blickt auf einen Menschen in Form von Jakob Werlin zurück, der sich die Beziehung zu dem damaligen Staatsoberhaupt zu Nutze machte. Dabei wird die Geschichte mit vielen Details und auch unangenehmen Tatsachen wiedergegeben. Der damaligen Macht-Apparat wird hier in Bezug auf die Automobil-Industrie und einer der wichtigsten Herstellen verdeutlicht. Viele Menschen werden dabei vorgestellt und reihen sich auf unterschiedliche Art und Weise in die Geschichte ein. Auf wenigen Bildern findet man auch fotografisch einen Blick zurück werfen, wobei diese sehr klein platziert wurde. Die Texte sind dabei umso fesselnder.
Das Buch ist für knapp unter 25 Euro erhältlich und dokumentiert ein Stück der deutschen Automobil-Geschichte. Das Buch ist sicher eher für Historiker interessant als für Automobilisten. Für eine komplette Geschichte der Marke Mercedes-Benz ist dieser Teil aber unverzichtbar.

Titel – Er war dem Mann restlos verfallen …

Bibliografie:
Titel: Er war dem Mann restlos verfallen … – Jakob Werlin – Direktor bei Daimler-Benz und Freund des „Führers“
Autor: Horst J. Rieth
Umfang: 186 Seiten, 16 Schwarz-Weiß Abbildungen
Format: 160 x 230 mm
Bindung: Hardcover
Auflage: 09/2023
Preis: 24,80 €
ISBN: 978-3-758-20788-4
Bestellbar beim Verlag unter: www.olms-presse.de

Text: Marco Rassfeld
Fotos: Olms Presse,
Kontext Wochenzeitung, Marco Rassfeld

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