Buchbesprechung – Rudolf Uhlenhaut – Ingenieur und Gentleman

Rudolf Uhlenhaut ist in der Automobil-Szene ein durchaus bekannter Name. Dem langjährigen Mitarbeiter von Mercedes-Benz wird nun das erste umfassende Buch gewidmet. Die Autoren Wolfgang Scheller und Thomas Pollak blicken auf den Vater des Mercedes 300 SL.

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Nach dem Vorwort von Wolfgang Scheller folgt noch ein weiteres von Paddy Lowe so etwas wie der aktuelle Nachfolger von Uhlenhaut als Formel 1-Ingenieur von Mercedes. Schließlich startet das Buch mit der chronologischen Aufarbeitung des Lebens von Rudolf Uhlenhaut. Bereits in den Kinderjahren ist Uhlenhaut in diversen europäischen Städten zu Hause. Geboren in London im Jahr 1906 musste die Familie bereits 1914 nach Brüssel umsiedeln, 1918 ziehen sie abermals um – diesmal nach Berlin. Von 1920 bis 1926 leben die Uhlenhauts in Bremen und ab 1926 beginnt Uhlenhaut mit dem Studium in München.

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Während seines Studiums kann Uhlenhaut so immer wieder seinem Hobby dem Skifahren nachgehen. Das Buch blickt auch immer wieder auf die privaten Entwicklungen im Leben von Uhlenhaut soweit das möglich ist. Direkt nach seinem Studium beginnt dann der schnelle Aufstieg Uhlenhaut’s im Hause Mercedes-Benz. 1931 tritt er in Unternehmen ein und bereits 1937 ist der Oberingenieur des Rennteams. Vor allem die Arbeitsweise bei der er immer wieder die Ergebnisse selbst am Lenkrad kontrolliert beeindruckt. Sein Fahrkönnen ermöglicht ihm sogar die Teilnahme als Werksfahrer bei den 2.000 km durch Deutschland im Jahr 1934.

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Die erste Entwicklung bei Mercedes-Benz gelten dem Fahrwerk des 170 V ehe er mit dem Rennteam den W 125 mit damals unglaublichen 646 PS entwickelt und mit dem Mercedes auch  beeindruckende Ergebnisse einfahren kann. Die Entwicklungen gipfeln in dem Rekordwagen T80 der von einem Flugzeugmotor angetrieben werden sollte. Aufgrund des aufkommendem zweiten Weltkrieges konnte er aber nicht eingesetzt werden. Der Fokus legte sich nun auf Projekte für die Rüstungsindustrie.

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Nach dem verheerenden Krieg mit auch für Uhlenhaut sehr schwierigen Umständen kam er schließlich 1948 wieder bei Mercedes in Stuttgart unter. Bereits im ersten Monat legte Uhlenhaut dem Vorstand Wilhelm Haspel einen „Vorschlag für einen sportlichen Repräsentationswagen“ vor. Aus diesem entwickelte sich der neue Rennwagen mit dem Motor des Mercedes-Benz 300, der W 194. In der Rennsaison 1952 gelingen zahlreiche Erfolge und die Weiterentwicklung für 1953 sind mit dem Chassis 011 abgeschlossen. Dieser kam aber nicht zum Einsatz wurde stattdessen in vielen Fällen aber von Uhlenhaut persönlich bewegt.

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Der 011 zeigte aber die Richtung für den 1955 eingesetzten W 196 auf. Der 300 SLR wird in unterschiedlichen Version sehr erfolgreich und in diversen Rennen eingesetzt. Die Coupéausführung ist heute noch als Uhlenhaut-Coupé bekannt. Neben dem 300 SL war Uhlenhaut unter anderem auch beim C 111 beteiligt und durfte diesen bei Versuchsfahrten wiederum selbst fahren.

Im Jahr 1972 schließlich endet das Berufsleben von Rudolf Uhlenhaut und trotzdem bleibt er weiterhin dem Unternehmen Mercedes-Benz eng verbunden. Bei unterschiedlichen Veranstaltungen steht Uhlenhaut hinter und neben den Steuer zur Verfügung. Seinen Lebensabend verbringt er oftmals auf seinem Boot, der Zamani, im Mittelmeer. Dabei lernen die Uhlenhauts vor allem Malta zu schätzen – in den Wintermonaten ist man auch gerne mal in Davos unterwegs. Im Mai 1989 erwacht Uhlenhaut nicht mehr aus seinem Schlaf.

Fazit: Das Buch über den Gentleman und Ingenieur Rudolf Uhlenhaut blickt sehr gut auf das Leben und Schaffen eines genialen Ingenieurs und offensichtlich auch einem beeindruckenden Menschen zurück. Die teilweise sehr spärlichen Informationen gerade zum Privatleben von Uhlenhaut werden perfekt aufgearbeitet. Auch blickt das Buch auf die zahlreichen technischen Entwicklungen von Uhlenhaut zurück ohne sich zu sehr im Detail zu verlieren. Dazu liefert das Buch auch noch sehr beeindruckende Abbildungen – auch aus dem Privatleben von Uhlenhaut. Eine sehr gut recherchierte Biografie füllt die bisherige Lücke in der Automobil-Bibliothek perfekt aus.
Technisch kann dem Buch kein Fehler zugesprochen werden. Ein guter Druck und eine ebenso gute Bindung lassen einer solide Produktion vermuten.
Der Preis von 49,95€ scheint zunächst ein wenig happig aber gerade der gebotene Inhalt des Buches relativiert dies. Ein absolut gerechtfertigter Preis da es sich zudem um das erste Werk zum Thema Uhlenhaut handelt.

Bibliografie: Rudolf Uhlenhaut – Ingenieur und Gentleman – Der Vater des Mercedes 300 SL, Autoren: Wolfgang Scheller, Thomas Pollak, 200 Seiten, ca. 250 Abbildungen, 260 x 260 mm, gebunden mit Schutzumschlag, Auflage: 00/2015, Preis: 49,95€, Verlag; Heel, ISBN: 978-3-95843-150-8
Bestellbar beim Verlag unter: www.heel-verlag.de

Text: Marco Rassfeld
Fotos: Daimler, Heel Verlag, Marco Rassfeld

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