Buch – Ferrari Hypercars

Ferrari steht seit jeher für besonders sportliche Automobile und als der noch neuzeitliche Begriff Hypercar geprägt wurde, war auch ein Modell des italienischen Herstellers im exklusiven Club der Hypercars. Ein Buch aus dem amerikanischen Verlag Motorbooks setzt sich als Ziel eine Inside Story zu den schnellsten und seltensten Straßenmodellen von Ferrari zu liefern. Ob dies gelingt, zeigt die Rezension.

Das Buch kommt in großen Hochformat daher und kann als Titel mit dem LaFerrari optisch punkten. Denn alles ist im kompletten Rot gehalten, der klassischen Farbe von Ferrari-Modellen. Dazu ein glänzendes Finish und die Schrift mit Silbereffekt. Die Rückseite bringt neben Bildern von F40 und dem Enzo auch den üblichen Klappentext. Ein stimmiges Bild welches den Anspruch durchaus hochsetzt. Nach dem ersten Öffnen zeigen sich gleich einige Modelle im Bild ehe die Widmung für das Buch an Sergio Pininfarina, Sergio Scaglietti und Carlo Felice Bianchi Anderloni geht. Dies beweist schon vorab die enge Verbindung des Autors mit wichtigen Personen rund um Ferrari. Das Inhaltsverzeichnis macht dann die Struktur des Buches deutlich und unterteilt das Buch in drei Sektionen und sieben Kapitel. Dabei geht der Titel chronologisch vor und bildet die Zeit von 1947 bis zur Gegenwart ab. Ehe das erste Kapitel startet, folgen noch die Danksagungen des Autors und die Einleitung, in der die Grundlage zum Buch grundlegend erläutert wird.

Der erste Abschnitt bildet die Jahre 1947 bis 1983 ab und hat den Titel The 12-Cylinder Drivetrain Era. Das erste Kapitel blickt auf die Anfänge von Enzo Ferrari und auch auf die Einsätze von Ferrari als Rennfahrer zurück. Ein Meilenstein war dann die Gründung der Scuderia Ferrari als Werksteam für Alfa Romeo in denen sich Enzo Ferrari fortan als Teammanager einen Namen in der Szene machen konnte. Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs folgte dann die Vorstellung der ersten von Ferrari konstruierten Automobils, dem Auto Avio Costruzioni 815. Durch vertragliche Verpflichtung konnte noch nicht der Name Ferrari als Marke genutzt werden. Erst im Jahr 1947 startete mit dem 125 der erste Ferrari bei einem Rennen. Die Grundlage war also weiterhin der Rennsport und sollte es in den Augen von Enzo Ferrari auch bleiben.
Welches Modell war nun aber das erste Hypercar von Ferrari? Obwohl der Begriff noch lange nicht erfunden war, versucht der Autor unter der Berücksichtigung der jeweiligen Verhältnisse auch in der Frühzeit von Ferrari die herausragenden Modelle zu entdecken. Das Ur-Modell 125 wurde immer weiterentwickelt und mit dem 166 MM stellt das Buch einen Wendepunkt vor. Hiermit konnten erste internationale Erfolge eingefahren werden, die den Hersteller Ferrari bekannt machen sollten. Als Vorläufer der Hypercars wird dann der 340 America vorgestellt, der in unterschiedlichsten Varianten erhältlich war. Zu jener Zeit waren die Modelle von Ferrari noch mit unterschiedlichen Karosserien bestückt und konnten nach dem persönlichen Geschmack und Einsatzzweck gebaut werden. Der 375 MM und 375 Plus wird dann schließlich als erstes Hypercars angesehen, wobei nur einige der hergestellten Modelle diese Ehre zuteil kommt. Ein besondere Betrachtung wird dann noch Sergio Pininfarina zuteil der sich mehr und mehr als wichtigster Partner für die Karosseriearbeiten für Ferrari etablierte. Mit dem 410 Sport und dem 410 Superamerica folgte weitere Modelle, die den Status eines Hypercars erfüllen sollten.

Move to the Middle ist dann der Titel vom dritten Kapitel und bildet gleichzeitig den Abschluss der ersten Sektion. Nachdem sich zunächst im Motorsport mehr und mehr der Mittelmotor durchsetzen sollten, folgte diese Entwicklung dann auch bei den Straßenfahrzeugen. Nach dem 330 LMB folgt mit dem 250 LM dann ein erstes Modell welches diese Anordnung berücksichtigte und auch mit viel Erfolg bestätigen konnte. Auch der nur dreimal gebaute 365 P war ein Mittelmotorsportwagen, von dem zwei auch für den Einsatz auf der Straße genutzt wurden. Der allgemeine als Daytona bekannte 354 GTB/4 bzw. sein offener Bruder 365 GTS/4 waren die nächsten Modelle, welche den Status Hypercars erfüllten und dazu in einer durchaus beachtlichen Stückzahl produziert wurden. Ende der 60er Jahre sorgten dann Showcars in Form des P6, des 512 S und des Modulo für viel Aufsehen und zeichneten den Weg in die Zukunft vor. So folgte der 365 GT4/BB der später als 512 BB und 512 BBi wieder im Programm präsent sein sollte. Auch diese MIttelmotormodelle waren Hypercars ihrer Zeit.

Schließlich folgt die Zeit von 1984 bis 1997 in der neue leichte Materialien immer wichtiger wurden und die üblichen Materialien wie Stahl und Aluminium ersetzen sollten. Der 288 GTO war ein erstes limitiertes Modell, welches den sportlichen Anspruch der Marke auf die Straße transportieren sollte. Der hohe Anspruch an Ferrari konnte der 288 GTO erfüllen und entgegen der landläufigen Meinung der 288 GTO war entstanden um die Homologation der Gruppe B zu erfüllen wird dieses durch direkt Beteiligte dementiert. Er sollte nur die Möglichkeiten aufzeigen, zu denen man bei Ferrari im Stande war. Bis heute gilt diese Modell als Grundstein für die folgenden Spitzenmodelle der Marke, die immer an der Spitze der Automobilszene standen.
Zur Gruppe B wurde der 288 GTO Evoluzione entwickelt, der mit einer neuen Aerodynamik und auch mit eine deutlich erhöhten Leistung ausgestattet war. So war das Ziel 200 mph zu erreichen kein unmögliches Unterfangen mehr. Doch zu einem Einsatz im Motorsport sollte der Evolution nicht kommen, da die Gruppe B nach verheerenden Unfällen verboten wurden. Der F40 war dann das Modell mit dem Ferrari sein 40 jähriges Bestehen feierte. Bis heute ist der F40 eines der wichtigsten Modelle der Marke der trotz einer ursprünglich geplanten Limitierung in einer beachtlichen Stückzahl von 1.311 gebaut wurde. Hierzu werden auch die Rennmodelle LM, GT und GTE vorgestellt, mit denen Ferrari in unterschiedlichsten Rennserien antrat.

Mit dem F50 fuhr Ferrari dann eine andere Taktik als bisher, als auch bei den Italienern immer der höchste Topspeed ein wichtiges Kriterium darstellte. Der F50 sollte statt der reinen Geschwindigkeit auch das Gefühl und die Querdynamik eines Formel 1-Rennwagens so gut wie möglich auf die Straße transportieren. Dies gelang ihm sehr gut, auch wenn nicht alles vorgesehene den Weg in die Serie fand. Dazu wurde das Modell nun streng limitiert und es entstanden 349 Exemplare, die an ausgewählte Kunden ausgeliefert wurden. Im Motorsport entpuppte sich der 333 SP als echter Langläufer und vertraute dabei auf den Motor des F50. Doch auch der F50 selbst sollte als F50 GT im Motorsport antreten und erst kurz vor Beginn der Saison zog man bei Ferrari die Reißleine und verbot den Renneinsatz mit den drei hergestellten Exemplare.
Das digitale Zeitalter steht dann im Mittelpunkt des dritten Abschnitts von Buch und bringt den Enzo und auch dessen Ableger Maserati MC12 sowie die Studie Maserati 75 Birdcage dem Leser näher. Auch die Einzelanfertigung P4/5 auf Basis den Enzo wird vorgestellt, ebenso wie der FXX und dessen Weiterentwicklung FXX Evoluzione.
Das letzte Kapitel zeigt dann den LaFerrari, der durch ein hochmodernes Hybrid-System die aktuellen Bedürfnisse und Erkenntnisse der Menschen und der Technik erfüllt.
Im Epilog lässt der Autor dann nochmal die Geschichte Revue passieren und blickt auch auf die aktuellsten Entwicklungen bei Ferrari sowie die Zukunft.

Fazit: Hypercars ist ein hochtrabender Begriff und nach heutigem Standard erfüllen nur wenige Modelle die hohen Anforderungen. Autor Winston Goodfellow adaptiert diesen Begriff in die Vergangenheit und stellt ausgewählte Modelle von Ferrari vor, die dem Geist eines Hypercars entsprechen. Dabei kann er auf viele Zeitzeugen zurückgreifen und nutzt auch zeitgenössisches Testberichte um die Modelle sehr eingehend vorzustellen. In den hochinteressanten Texten folgt immer auch ein Blick auf die wichtigsten Ereignisse der Zeit und auch die Entwicklungen der Konkurrenz. Somit erhält man ein durchaus vollumfängliches Bild von beeindruckenden Fahrzeugen, wobei auch die vielfältige Bebilderung dazu beiträgt. Viele Aufnahmen sind hier ebenfalls zeitgenössisch und blicken auch des Öfteren direkt in das Ferrari-Werk in Maranello. Die Modelle werden aber zusätzlich noch mit modernen Fotos eingehender vorgestellt und lassen auch den ein oder anderen Blick auf die Details zu.
Zum Preis von knapp 60 Euro kann der Käufer einen Blick auf die wohl bekanntesten Modelle von Ferrari werfen und erfährt dabei beeindruckend viel. Somit ist das Buch eigentlich ein guter Tipp für alle Ferrari-Anhänger als auch für Freunde von schnellen Fahrzeugen.

Bibliografie:
Titel: Ferrari Hypercars – The Inside Story of Maranello’s Fastest, Rarest Road Cars
Autor: Winston Goodfellow
Umfang: 240 Seiten, 236 Farb- und 64 Schwarz-Weiß-Fotos
Format: 260 x 311 mm
Sprache: Englisch
Bindung: gebunden mit Schutzumschlag
Auflage: 09/2015
Preis: $75.00
ISBN-Nr.: 978-0-76034-608-2
Bestellbar beim Verlag unter: www.quartoknows.com

Text: Marco Rassfeld
Fotos: Bonhams, Marco Rassfeld