Buch – Rallye Automobile Monte-Carlo – Porsche 1952–1982

Porsche und Rallye? Was für viele heute sicher nicht möglich erscheint, hat in Wahrheit eine lange Tradition, die aktuell sogar mit dem Cayman GT4 Rallye wieder aufgelebt wird. Ein Buch aus dem Dingwort Verlag blickt auf die Anfänge zurück mit dem Fokus auf die Rallye Monte-Carlo, welche der Klassiker in der Rallye-Szene schlechthin darstellt.

Ein gewaltiges Werk ist das Buch ohne Frage.

Das Buch ist aufgrund der hohen Anzahl von insgesamt über 900 Seiten in zwei Bände aufgeteilt und kommt dazu in einem hochwertigen Schuber daher. Die Größe ist dabei in einem außergewöhnliche, fast quadratischen Format umgesetzt und so kann das Buch schon einen ungewöhnlichen Auftritt sicherstellen. Porsche-Kenner erfreuen sich auch an dem Bild auf dem Titel, welches den ersten Einsatz der Marken-Legende 911 in Monte Carlo erkennen lässt. Als interessantes Detail ist zudem das Schild mit der Startnummer aus dem Jahr 1965 zu entdecken, welches der besagte 911 damals trug. Die sonstige Gestaltung des Schubers ist betont schlicht umgesetzt und auf der Rückseite findet sich noch der Hinweis auf die dreisprachigen Texte im Buch. So sind alle Texte in Französisch, Englisch und Deutsch verwirklicht worden, so dass die wichtigsten Märkte mit dem Buch bedient werden können.

Der erste Auftritt eines 356 konnte schon mal überzeugen.

Band 1 nutzt dann das gleiche Bild auf dem Titel und wird ebenso wie Band 2 noch zusätzlich von einem Schutzumschlag geschützt. Als erstes zeigt sich im Inhaltsverzeichnis die chronologische Reihenfolge in welcher die Ereignisse der Rallye Monte-Carlo dem Leser präsentiert werden. Nach rein textlichem Vorwort, Danksagungen und Einleitung startet das Buch mit dem ersten Einsatz eines Porsche bei der Rallye Monte-Carlo im Jahr 1952. Hier standen sieben Porsche 356 am Start, welche mit in den Klassen 2 der 3 starteten und somit als 1100er oder 1300er gemeldet waren. Diese Information kann man in jedem Jahr einer Auflistung entnehmen, in der sich alle Porsche mit weiteren Details wiederfinden. Auch erste Bilder finden sich hier wieder und der 356 wirkt mit speziellen Scheinwerfer durchaus eigenartig. Dann folgen mit dem französischen Text noch weitere Infos zu Rallye mit den Startorten, den Teilnehmern, der Route, dem Gesamtsieger, dem bestplatzierten Porsche und den einzelnen Klassen. Der Text bringt dann viele Details zum Rennen und dessen Verlauf ans Licht und dazu zeigen sich viele Bilder des einzigen 356, der das Rennen auch beenden konnte.

Auch ein Carrera GTS stand einmalig am Start der Rallye Monte-Carlo.

Schon im folgenden Jahr war die Anzahl der gemeldeten Porsche auf 37 (!!!) gestiegen. Mit dem 1500er kam ein noch leistungsstärkere Porsche dazu und bereicherte die Klasse 3. Nach dem 19 Platz in der Klasse 2 in Vorjahr erreichte Porsche nun einen bemerkenswerten zweiten Platz in dieser Klasse und sorgte so für die gewollte Aufmerksamkeit. 1954 waren durch die Regeländerung der FIA und deren Neudefinition der Rennklassen im Anhang J des internationales Sportgesetzes eine Neu-Homologation der Fahrzeuge erforderlich. Da Porsche rechtzeitig nur die Papier für die kleinste Variante des 356 einreichte, waren die größeren Modell in diesem Jahr nicht starberechtigt. Immerhin stand am Ende ein dritter Platz in der Klasse 3 in den Ergebnislisten.
Im Laufe der Jahre änderten sich die Klassen der Rallye Monte-Carlo ein ums andere Mal und eine echte Vergleichbarkeit ist von Jahr zu Jahr immer schwieriger. Durch die Erläuterungen im Text gelingt es hier den Autoren aber alle Belange kompetent darzulegen und die Änderungen nachvollziehbar zu erklären. Auch die Entwicklung in der Organisation der Rallye werden immer wieder auch kritisch erläutert, denn durch teilweise nicht nachvollziehbare Handicap-Wertung war es lange nicht möglich, dass das schnellste Fahrzeug die Monte gewinnen konnte. Der erste Klassensieg gelang schließlich im Jahr 1956 mit einem Porsche 356 1300 und den Franzosen Alexandre Gacon und Henri Arcan.

Der erste Sieg einen Porsche gelang schließlich erst mit dem Porsche 911.

Viele Ausbaustufen des 356 standen bei der Rallye Monte-Carlo am Start ehe im Ende 1964 erste Tests mit dem neuen Porsche 911 durch Herbert Linge durchgeführt wurden, die auch im Buch thematisiert werden. Im Januar des folgenden Jahres stand dann auch ein Porsche 911 am Start und sogar zwei Carrera GTS war hier vertreten. Die Fahrzeuge wurden vom Werk vorbereitet und gerade der Auftritt des neuen 911 sollte auch die Zuverlässigkeit des neuen Sportwagens unter Beweis stellen. Im Porsche fanden sich Herbert Linge und Peter Falk wieder, welche ebenfalls vom Werk engagiert wurden. Auch die zwei Carrera GTS wurden vom Werk eingesetzt und sollten um den Erfolg mitfahren. Hierzu liefert das Bild dann auch eine beeindrucken Anzahl an Bilder aus dem Werk und den Vorbereitung in Stuttgart. Natürlich sind auch weitere Bilder vom Rennen vertreten und am Ende konnte ein Carrera GTS den Sieg und der Klasse 4 einfahren und im Gesamtklassement des zweiten Platz belegen. Beeindruckender und gleichfalls unerwarteter war aber sich der zweite Platz in der Klasse 4 für den noch brandneuen Porsche 911. Der Start einer unglaublichen Renn- und Rallyekarriere die lange andauern sollte.
Schon im Folgejahr waren acht Porsche 911 eingeschrieben, von denen vier am Schluss die ersten Plätze in ihrer Klasse belegen konnte und ihre Stärke erneut unter Beweis stellen konnten. 1967 schließlich konnte Porsche sogar die ersten sieben Plätze ihrer Klasse belegen, alle mit dem neuen 911 S. Zum Schluss vom ersten Band zeigen sich noch Rennplakate der letzten drei Jahre von 1965 bis 1967 wieder, mit denen Porsche den Erfolg publik machte.

Der 911 war über lange Zeit bei der Rallye Monte-Carlo
in unterschiedlichen Ausbaustufen vertreten.

Band 2 zeigt dann als Titelmotiv logischerweise auch einen Porsche 911 und führt den Leser durch die Jahre 1968 bis 1982. Nach dem unverzichtbaren Inhaltsverzeichnis folgt noch ein Vorwort und Danksagungen ehe die Rallye von 1968 im Mittelpunkt steht. Erstmals gelang Porsche nun der große Erfolg des Gesamtsieges. Auf einem Porsche 911 T/R konnte sich Vic Elford und David Stone den Siegerpokal sichern. Durch erneute Regeländerungen war nun auch sichergestellt, das zum ersten Mal auch das schnellste Fahrzeug ohne jegliche Handicaps das Rennen gewinnen konnte. Zudem konnte Porsche sich auch den zweiten Platz sichern und fuhr somit eine Doppelsieg ein. Auch 1969 setzt Porsche alles auf einen Sieg in Monte Carlo und setzt vier Porsche 911 S ein, die nach einer umfangreichen Modellpflege dem aktuellen Stand entsprachen. Erneut gelang ein Doppelsieg, der auch 1970 wiederholt werden konnte. Drei Jahre in Folge waren die Porsche 911 unschlagbar. 1971 dann setzte Porsche auf ein neues Modell, dem mit Mittelmotor ausgestatteten Porsche 914/6. Zwar gelang der Klassensieg aber im Gesamtklassement konnte „nur“ der dritte Platz erreicht werden.
Durch unterschiedliche Umstände setzte Porsche ab 1972 keine Fahrzeuge mehr werksseitig ein, so dass den Privateers der Einsatz vorbehalten war. Größtenteils vertrauten diese auf den 911 und konnten auch einige Erfolge einfahren. Aber auch der 924 kam zu Rallye-Einsätze und wurden von einer bekannten Fahrerpaarung bewegt. 1982 endet schließlich die Dokumentation über die Einsätze von Porsche bei der Rallye Monte-Carlo, denn ab dem folgenden Jahr wurde die Klassen geändert.

Fazit: Porsche bei der Rallye-Monte Carlo ist eine packende Erfolgsstory für sich und ohne Frage ein Buch wert. Das es hierbei zu einer so kompletten und gut gemachten Umsetzung kommt, lässt aufhorchen. So liefert das Buch mit den zwei Bänden eine beneidenswerte Dokumentation über die Einsätze der angesehen Marke aus Stuttgart. Hierzu zeigen sich eine hohe Anzahl an Bildern, die größtenteils noch unbekannt sein dürften. Dabei kommen Actionfotos genauso zum Vorschein wie Fotos der Vorbereitung der Fahrzeuge oder Eindrücke von der Siegerehrung. Auch einige unvermeidliche Unfälle werden dokumentiert. Dazu liefert der dreisprachig ausgeführte Text alle Information, die man benötigt und blickt auch auf die Entwicklung der Modelle bei Porsche, den Besonderheiten des Reglements und natürlich auch dem Verlauf der einzelnen Rallyes.
Der Preis von 175 Euro wirkt zunächst happig, aber für das inhaltlich Gebotene und den umfassenden Blick ins Bildarchiv ist dieser Preis absolut gerechtfertigt. Dazu trägt auch die erstklassige technische Umsetzung des zweibändigen Buches bei, welche voll überzeugen kann. Ein weiteres Buch, was in einer gut sortierten Porsche-Bibliothek nicht fehlen darf.

Bibliografie:
Titel: Rallye Automobile Monte-Carlo – Porsche 1952–1982
Autoren: Patrick Dasse & Maurice Louche
Umfang: Band 1: 432 Seiten, 299 SW- und 44 Farb-Photos; Band 2: 480 Seiten, 236 SW- und 304 Farb-Photos
Format: 257 x 229 mm
Sprache: Französisch, Englisch, Deutsch
Bindung: gebunden mit Schutzumschlag im Schober
Auflage: 10/2018
Preis: 175 €
ISBN-Nr.: 978-3-87166-108-2
Bestellbar beim Verlag unter: www.dingwort-verlag.de

Text: Marco Rassfeld
Fotos: Dingwort Verlag, Porsche, Marco Rassfeld