Buch – Die Ära der Ferrari Prototypen 1962 bis 1973

In der Historie des Motorsports gab es immer wieder beeindruckende Phasen, in denen die Vorgaben des Reglements einmalige Fahrzeuge schufen. Für viele unvergessen bleibt die Dekade ab den frühen 60er Jahren. Im Heel Verlag erschien hierzu ein Buch, welches einen bildgewaltigen Blick auf die Prototypen von Ferrari liefern möchte. Ohne Frage ein spannendes Objekt …

Ein großes Buch mit einem
beeindruckenden Titelbild.

Die Größe des Buches ist hierbei schon direkt beeindruckend und lässt auf viele, vollformatige Aufnahmen der Ferrari Prototypen hoffen. Wie ungewöhnlich diese sein können, zeigt der Titel dann auch gleich sofort und blickt in die Boxengasse auf drei aufreihte 312 PB. Natürlich kann man hierbei schnell auch das Cavallino Rampante entdecken, welches die Rennwagen als echte Ferrari ausweist. Durch die vollformatige Ausnutzung des großen Buchformates bleibt wenig Platz für mehr auf dem Titel. So findet man hier mit der Angabe zum Autor, dem Buchtitel und dem Verlag alles notwendige. Die Rückseite zeigen dann zwei weitere Bilder und einen entsprechenden Text, der auf den Inhalt des Buches konkreter eingeht. Die Überlegenheit der Ferrari in dem Zeitraum von 1962 bis 1973 wird hierbei sofort dargelegt, denn die Italiener konnten in dieser Phase gleich sieben der Titel in der Markenweltmeisterschaft feiern. Unter dem Schutzumschlag zeigt sich ein schlichtes, rotes Buch mit schwarz geprägter Typo.

Umfangreiche Bildunterschriften liefern viele Informationen.

Dem Vor- und Nachsatz gemein ist dann ein abgesoftetes Schwarz-Weiß-Bild von einem 330 P4 beim Boxenstopp, bei dem ein reges Treiben beobachtet werden kann. Nach drei weiteren Bildern, die unterschiedlichsten Jahre und Fahrzeuge aber auch Menschen zeigen, folgt schließlich das Inhaltsverzeichnis. In sechs Kapitel gliedert sich der Titel und die Ereignisse werden in chronologischer Reihenfolge dargelegt. In einer kurzen Danksagung des Autors wird deutlich aus welchem Archiv die zeitgenössischen Aufnahmen stammen und wer noch mit viel Wissen an der Realisierung des Buches beteiligt waren. Dazu zeigt sich ein weiteres Bild mit diesmal gleich zwei Rennwagen von Ferrari. So zeigt sich ein 250 GT SWB mit eine Drogo-Karosserie vor einem Dino 268 SP. Kenner wissen nun sofort das es sich hier um einen Generationenvergleich handelt, denn der 250 GT war ein sehr erfolgreicher Frontmotor-Rennwagen, wo der Dino 286 SP schon für die kommende Generation der bis heute erfolgreichen Mittelmotor-Konstruktion steht. Eben dieser Übergang stellt die Grundlage zu Beginn des Buches dar.

Immer wieder zeigen sich einmalig alle Szene rund um die Rennen.

Kapitel 1 trägt dann auch denn passenden Titel Ein Übergangsjahr: 196 SP und 246 SP, 1962. In diesem Jahr stellte Ferrari die Weichen für die Mittelmotor-Rennwagen konnte aber zugleich auch noch mit dem Frontmotor-Rennwagen einige Erfolge feiern. So konnten die Fahrer Olivier Gendebien und Graham Hill Le Mans mit einem Testa Rosso gewinnen, dessen Stammbaum bis zu den Anfängen der Firma Ferrari zurückverfolgt werden konnte. Neben den tollen Bildern liefert das Buch auch zu jedem Kapitel einen kurzen, aber prägnanten Text in dem die wichtigsten Gegebenheiten und Entwicklungen dargestellt werden. Zu jedem Bild gibt es zudem umfangreiche Bildunterschriften, in denen das Rennen und sogar die Chassis-Nummer der gezeigten Ferrari-Rennwagen genannt werden. Dies verdeutlicht einen hohen Recherche-Aufwand um diese Jahre des Ferrari-Motorsport zu dokumentieren.
Im zweiten Kapitel betreten dann die ersten echten Ferrari mit V12-Mittelmotor die Motorsport-Bühne und liefert einen Blick auf die Jahre 1963 bis 1965. Der 250 P war dieser erste Typ und sorgte schnell für Furore auf den Rennstrecke der Welt. Im folgte der 275 P mit auf 3,3 Liter erhöhtem Hubraum. Auch der 250 LM sollte in Rennen antreten und war von Enzo Ferrari ursprünglich als Evolution des 250 GTO verkauft worden und eine erneute Homologation zu sparen. Dies sorgte für gewaltigen Streit zwischen Ferrari und der ACI, der italienischen Motorsportbehörde.

Deutlich wird auch wie nah damals die Fans an die Mechaniker rankamen.

Generell finden sich im Buch erfreulicherweise nicht ausschließlich die fraglos beeindruckenden Ferrari-Rennwagen im Bild wieder. Immer wieder zeigen die Aufnahmen auch Szenen mit den Menschen, welche am Einsatz der Rennwagen beiliegt waren. Ob es nun ein Podium oder ein Blick in die Startaufstellung oder die Boxengasse ist, vieles kann man entdecken. Somit erhält man einen vollumfänglichen Eindruck der vergangenen Jahre.
Kapitel 3 zeigt dann die Jahre 1966 und 1967 in denen Ferrari sich gegen einen neuen Gegner zu wehren hatte. Der amerikanische Auto-Riese Ford wollte Ferrari ursprünglich übernehmen, scheiterte aber kurz vor der Unterschrift und wollte sein Können auf der Rennstrecke beweisen. So wurde der Ford GT 40 geschaffen um die bis hierhin überlegenen Ferrari zu schlagen. Ferrari setzte mit dem 330 P3 und P4 zwei optisch besonders gelungene Rennwagen entgegen, die bis heute zu den schönsten Rennwagen der Geschichte zählen dürften. Im Bild zeigen sich aber immer wieder auch Modelle, die nicht vom Werk eingesetzt wurden und in diesem Kapitel zum Beispiel mit dem Dino 206 SP auch Rennwagen aus den kleineren Klassen. Die Bilder taugen auch ausnahmslos zum Verweilen und beinhalten ein ums andere Mal auch interessante Details, die auch durch die Bildunterschriften vor Augen geführt werden.

Auch einige echte Stars der Szene finden sich immer wieder im Bild wieder.

In den verbleibenden drei Kapiteln werden dann die weiteren Modelle von Ferrari eingehend im Bild vorgestellt und zeigen ein ums andere Mal wirklich beeindruckende Aufnahmen. Nachdem durch die Übermacht der Ford GT 40 der Hubraum der Prototypen ab 1968 auf drei Liter eingeschränkt wurde, sah Ferrari zunächst von einer Teilnahme an der Meisterschaft ab um sich auf die Formel 1 zu konzentrieren. Schon ein Jahr später stand dann aber der 312 P am Start, dessen Motor verwandt war mit dem Formel 1-Treibwerk. So trat man fortan in der Gruppe 6 an und hatte als Konkurrenz nun Alfa Romeo, Matra oder Porsche zu schlagen. Einen durchschlagen Erfolg gelang mit dem 312 P hingegen nicht.
Nachdem Porsche mit dem 917 einen neuen Rennwagen für die Gruppe 5 vorgestellt hat ließ die Reaktion von Ferrari nicht lange auf sich warten. Vom 512 S waren durch das Reglement 25 Exemplare herzustellen, was ein gewaltiges Risiko darstellte. Um diese Kosten zu refinanzieren zu können, konnten solvente Kunden den aktuellen Ferrari-Rennwagen dann auch käuflich erwerben und selbstverständlich auch an den Rennen teilnehmen.
im letzten Kapitel zeigen sich noch der modifizierte 512 M mit 5 Liter-Motor und der 312 PB, der abermals auf einen modifizierten Motor aus der Formel 1 zurückgriff.
Im Anhang findet der Leser dann noch einen Überblick über die wichtigsten Rennergebnisse der Langstreckenrennen von 192 bis 1973.

Fazit: Das Buch über einige der schönsten Rennwagen der Geschichte ist in jedem Fall einen Blick wert. Zumal es sich hierbei ausschließlich um Rennwagen von Ferrari handelt, da diese Marke ja durch den Motorsport überhaupt die Grundlage zum heutigen Erfolg legen konnten. Zudem sind solche Bücher nicht gerade in Fülle auf dem Markt, wie etwa beim deutschen Konkurrenten Porsche und liefern für die Fans ein echtes Highlight. Die vielen Bilder sind erstklassig abgebildet und zudem gibt es wertvolle Informationen in den durchaus umfangreichen Bildunterschriften.
Der ursprüngliche Preis des Buches war mit 50 Euro fair, aber leider ist der Titel nicht mehr neu erhältlich. So bleibt ein Blick auf den antiquarischen Markt, wo sich der Titel noch nicht zu überzogenen Preisen finden lässt. Für Ferraristi gehört das Buch im jedem Fall in das Regal!

Bibliografie:
Titel: Die Ära der Ferrari Prototypen 1962 bis 1973
Autor: Alan Henry
Umfang: 174 Seiten, ca. 190 zumeist farbige Abbildungen
Format: 285 x 285 mm
Bindung: gebunden mit Schutzumschlag
Auflage: 10/2008
Preis: 49,90 €
ISBN-Nr.: 978-3-86852-044-6
Beim Verlag leider nicht mehr erhältlich.

Text: Marco Rassfeld
Fotos: Jeroen Brunsting, Marco Rassfeld