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Buch – The Swiss Wiz

Edi Wyss – Ein Leben mit Renn- und Sportwagen – die Passion für den Motorsport und die Technik von Automobilen trieb den Schweizer mit dem ungewöhnlichen Namen immer wieder an. So blickt er heute auf ein facettenreiches Leben rund um das Automobil zurück und McKlein realisierte den Traum dieses in Buch-Form zu veröffentlichen. Ein Biografie, welche im Zeichen des Motorsports steht, aber auch dem Automobil und der für Edi Wyss interessanten Technik dahinter.

Im glänzenden Silber zeigt sich das Bild auf dem Titel und sorgt für Eindruck.

Das Buch über das Leben des automobilen Tausendsassa kommt im großen Hochformat daher und kann beim ersten Blick gleich strahlen. Denn um den Titel besonders zu machen, wählte man eine Silberfarbe, welche das große Bild erstklassig zu Geltung bringt. Dies zeigt Edi Wyss in seiner damaligen Funktion als Mechaniker von Denny Hulme neben dem McLaren M7A. Dies war im Jahr 1969 und zeigt einen gelösten Mechaniker neben einem konzentrierten Fahrer – eine tolle Aufnahme, man fühlt sich fast wie in der Startaufstellung. Der Buchtitel zeigt sich im zurückhaltenden Weiß am oberen Rand, während sich das Verlagslogo bewusst zurückhält. Seitlich und über den Rücken hinaus zieht sich eine vierfarbige Unterteilung, welche schon einen Hinweis auf die vier Abschnitte im Buch gibt. Die Rückseite zeigt auf einem roten Hintergrund Edi Wyss mit einem Ferrari und dem Werkstatt-Team von Edi Wyss Engineering. Dazu liefert ein Klappentext die Erläuterung zum Spitznamen Swiss WIz, welcher auf Denny Hulme zurückgeht und die Zauber-Hände des schweizer Mechanikers während seiner Dienste am Formel 1-Wagen des Neuseeländers.

Neben den klassischen Bebilderung gibt es auch viele persönliche Dokumenten zu entdecken.

Es ist schwierig, ein Handwerk nicht so gut zu machen

Edy Wyss

Mit diesem Zitat startet das Buch nach dem Aufschlagen und verdeutlicht den Anspruch, welchen Edi Wyss an sich und seine Arbeit hat. Das Vorwort zum Buch stammt dann von Heinz Schweizer, einem Freund von Wyss der auf die Leidenschaft eingeht mit der Wyss sein Leben lang den Motorsport lebte. Dabei reicherte er nach und nach sein Wissen an und konnte so erfolgreich scheinbar komplizierte Automobile reparieren und dies brachte ihm später auch den Ruf eines erstklassigen Restaurators ein. Es folgt noch eine große Aufnahme vom Start des Frankreich Grand Prix im Jahr 1969. Hier sitzt Wyss gemeinsam mit seinem Mechaniker-Kollegen neben dem Formel 1-Wagen von Denny Hulme. Die Bildunterschrift lässt dabei schon einen kurzen Blick auf die Geschichte von Wyss zu, der noch etwas mehr als ein Jahr zuvor den Abschluss am Technikum machte. Die Zeit prägte den noch jungen Mechaniker und Techniker nachhaltig, wie ebenfalls noch zu entdecken ist. Die Wirkung des Bilder steht aber über allem und zeigt die Möglichkeit auf wie ein Bild ein Buch prägen kann. In dieser Abbildungsgröße eher selten zu entdecken und damit umso wertvoller. Es folgt noch das Inhaltsverzeichnis, welches die Farben vom Umschlag wieder aufnimmt und die vier Abschnitte verdeutlicht. Dazu gibt es scheinbar viele kleine Kapitel zu entdecken, welche im Buch aber fast unscheinbar ineinander übergehen. So stellen die vier Farben auch die prägende Abschnitte im Leben von Edi Wyss dar, wie er es am Schluss von Buch auch noch erläutert.

Die Rennwagen waren einmalig und die Fotos sind dadurch auch besonders wertvoll.

Lehrjahre im Motorsport lautet dann der erste Abschnitt und startet gleich mit einem Bild des ersten Rennautos, an dem Wyss gearbeitet hat. Der kleine Fiat Abarth 750 OT Zagato war das Meisterauto der schweizer Gran Turismo-Kategorie im Jahr 1958 und wurde dann von Remo Terzariol gefahren. Dieser ließ den Wagen von der Abarth-Vertretung Rijen Sansonnens in Genf für die Rennen vorbereiten. Edi Wyss durfte hier in den Ferien seiner Lehrzeit mithelfen. Ehe die eigentliche Erzählung startet, wirft das Buch noch einen Blick auf den Automobil-Rennsport am Anfang der 1960er Jahre, so dass jeder sich in die damaligen Verhältnisse hineindenken kann. Solche Seitenblicke gibt es im gesamten Buch zu entdecken und bringen diverse Hintergrund-Informationen, welche für das Verständnis durchaus wertvoll sind. Diese Zusatzinformationen finden sich immer auf farblich passend gefärbten Hintergründen und sind so gut von eigentlich biografischen Text zu unterscheiden. Der eigentlich Text startet schließlich wenig später mit dem Beginn der Lehre als Feinmechaniker im Jahr 1959 in Zürich. Die Erinnerungen stammen von Edi Wyss persönlich und liefern so einen direkten Einblick in dessen Geschichte die schon früh vom Motorsport geprägt war. So erinnert er sich auch an seine erste Motorsport-Veranstaltung die er im August 1959 besuchen sollte. Bei Bergrennen Klosters-Davos bekommt er sogar die Möglichkeit einer kurzen Mitfahrt in einem Porsche RSK Spyder von Edgar Barth vom Fahrerlager zum Start. Dies legte die Basis und verfestigte diese nachhaltig, dass das Ziel die Arbeit als Rennmechaniker war …

Auch Le Mans gehört zur Erfahrung von Edi Wyss und ist immer ein Highlight für Motorsport-Fans.

Mit einem Abarth Fiat Monomille Scorpione erstand Wyss sein erstes Auto, welches er allerdings erst noch aufbauen musste. Das Fahrzeug hatte massive Schäden, wie auch im Buch dokumentiert wird und wurde in zwei Jahre langer Arbeit behutsam wieder aufgebaut. Nach und nach tauchte Edi Wyss tiefer in die Szene ein und erweiterte immer mehr sein Netzwerk. Dabei scheute er auch nicht davon zurück seine Arbeit in den ersten Momenten ohne echte Bezahlung anzubieten. Er wollte einfach sein Wissen immer mehr vervollständigen um später auch bei den großen Teams eine Chance zu haben. Auch war da kurze Zeit ein Traum von einem Rennfahrer, welchen Wyss aber schnell wieder vergaß nachdem er einen heftigen Unfall auf dem Nürburgring hatte. Auch dieser wurde in vielen Fotos festgehalten und diese finden sich selbstverständlich auch im Buch wieder. Mit dem Studium am Technikum in Biel wollte er seinen Wissenstand noch mehr aufwerten und nutzte die Zeit neben dem Studium um bei diversen Teams und Rennen zu helfen. Das Studium schloss er schließlich im Frühjahr 1968 als Ingenieur-Techniker HTL in der Abteilung Automobiltechnik ab und machte sich auf den Weg nach England. Dies war für alle Motorsportler das gelobte Land, denn viele Teams hatten hier Ihren Sitz, so startete Wyss mit einem Englischkurs und fuhr mit seinem Abarth nach South East London, wo er bei einer Witwe als Untermieter einzog. Am 27. April 1968 besuchte er dann eine Rennveranstaltung in Silverstone, bei der gleich fünf Rennen mit Tourenwagen, Sportwagen, Formel-Fahrzeugen und historischen Rennwagen ausgetragen wurden. Hier verfestigte sich der Plan in den professionellen Rennsport einzusteigen.

Der Neuaufbau eines Ferrari von Herbert Müller war eine Meisterleistung, an der Wyss beteiligt war.

Es folgten die Wanderjahre als Rennmechaniker, welche mit einem Engagement bei der Ecuire Bonnier begann. Dieses Team setzte 1968 Sportwagen wie den Lola T70 Mk. III GT ebenso ein wie Formel-Rennwagen wie dem McLaren M5A-BRM. Wyss kümmere sich intensiv um den Lola und erlebte dabei einige unfassbare Geschichte, die sich im Buch wiederfinden. Er begleitete auch die Einsätze eines McLaren M6B-Chevrolet in der legendären CanAm. In den sehr gut geschriebenen Texten fühlt sich der Leser oftmals so, als würde er die Geschichte persönlich erzählt bekommen. Diesen tollen Eindruck rundet das Buch immer mit einer Vielzahl an Bilder ab, welche tolle Rennwagen ebenso zeigen wie viele Blicke hinter die Kulissen. Dies lässt das Herz jedes Motorsport-Fans höher schlagen und gibt einen tollen Blick auf die damalige Zeit.
Ende 1968 schließlich erfüllte sich der Traum von Wyss für den renommierten Rennstall von Bruce McLaren zu arbeiten. Hier war er bei dem erfolgreichsten Team, welches in dieser Zeit die CanAm beherrschte und wurde ab 1969 für den McLaren M7A-Ford Cosworth zuständig. In einem heute unvorstellbaren Zwei-Mann-Team war man für einen Formel 1-Rennwagen verantwortlich. Nach zwei Jahren wollte Wyss dann mehr in die Konstruktion wechseln, was ihm bei McLaren aber nicht ermöglicht wurde. So trennten sich die Wege von Wyss und McLaren, bei denen er eine prägende Zeit erlebt hat.
Natürlich ging es noch weiter, und das Buch enthält noch viel mehr Geschichten und Erlebnisse aus dem Leben von Edi Wyss. Immer wieder erinnern sich auch Weggefährten an den Schweizer, wobei man hier auf eine Übersetzung der Texte verzichtete. Die Geschichte endet tatsächlich erst mit der Übergabe der eigenen Firma an die Nachfolger und zeichnet so das komplette Berufsleben von einem höchst engagierten Mechaniker mit viel Leidenschaft nach.

Fazit: Die Erlebnisse eines Rennmechanikers, der ab den 1960er Jahren den professionellen Rennsport als Arbeitsplatz fand, sind besonders lesenswert. Man kann eine Vielzahl an tollen Rennwagen entdecken und bekommt eine ebenso hohe Zahl an Anekdoten dargeboten, die heute so einfach nicht mehr möglich sind. Der tolle Text stammt von Edi Wyss persönlich und wird ergänzt über generelle Anmerkungen mit Informationen über die einzelnen Saisons und weitere Themen. Diese runden die Erzählungen gut ab, was vor allem aber für die reiche Bebilderung gelten kann. Oftmals finden sich darunter kaum bekannte Motive aus der Hochphase des Motorsports und bringen tolle Fahrzeuge zum Vorschein. Natürlich stehen dabei auch immer wieder die Personen im Vordergrund und liefern damit eine Art Fotoalbum des beruflichen Lebens. Sehr beeindruckend!
Zum Preis von knapp unter 80 Euro kann man tief eintauchen in die Szene des Motorsports und die Leidenschaft eines Menschen, der diese auslebte. Die Passion geht bis ins hohe Berufsalter und liefert einmalige und tolle Geschichten. Ein einmalige Gelegenheit es in dieser Form zu erleben. Ein Muss für alle Motorsportler.

Bibliografie:
Titel: The Swiss Wiz – Edi Wyss – Ein Leben mit Renn- und Sportwagen
Autoren: Edi Wyss, Christoph Ditzler
Umfang: 304 Seiten
Dokumente und Fotos: ca. 360 in Farbe und 185 in Schwarzweiß
Format: 245 x 300 mm
Bindung: Hardcover
Auflage: 03/2020
Preis: 79,90 €
ISBN: 978-3-947-15622-1
Bestellbar beim Verlag unter: www.rallyandracing.com

Text: Marco Rassfeld
Fotos: McKlein, Marco Rassfeld