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Buch – Racing Mustangs

An International Photographic History 1964-1986 – als der Mustang von Ford vorgestellt wurde, war er der Begründer einer neuen Klasse, den sogenannten Pony-Cars. Bei den Babyboomern in den USA waren erschwingliche und sportliche Autos gefragt und der Mustang traf den Puls der Zeit perfekt. Doch Ford verließ sich keinesfalls auf diesen Erfolg und nutzte die Bühne des Motorsports um die Fähigkeiten des Mustangs zu beweisen. Bei Veloce Publishing erschien nun ein Buch, welches sich auf diese sportlichen Einsätze konzentriert.

Das Pony rennt um die Strecke – gelungene Aufmachung für ein Bilderbuch.

Das Buch kommt im recht kompakten Querformat daher, welches für die Darstellung der Bilder zunächst auch eine gute Wahl zu sein scheint. Dass das Buch aber noch kleiner als das bekannte DIN A4-Format blieb ist in diesem Fall auch ein Segen, denn so kann man das Buch in allen Lebenslagen lesen und die vielen Bilder betrachten. Sicher wünschen sich auch viele Käufer eine opulenteres Format. dies würde aber schnell in einem reinen Coffee-Table-Book enden, welches ohne großen Tisch nur schwer zu handhaben wäre. Zudem wären die Herstellungs- und damit auch die Anschaffungskosten deutlich höher geworden. Für umgerechnet knapp 30 Euro erhält man so in jedem Fall einen fairen Preis mit einem passenden Gegenwert. Der Titel zeigt gleich mehrere durchdachte Details neben einem großen Bild, welches einen weiß-blauen Mustang Fastback in rasanter Kurven-Fahrt zeigt, noch in Front eines Matra MS650 Prototypen der höheren Klasse. In blauen Hintergrund findet sich das Mustang-Logo mit dem galoppierenden Pferd wieder und in großen Buchstaben und angedeutetem Metallic-Effekt zeigt sich der Buch-Titel. Unter dem Bild findet sich der Untertitel und der Autor Steve Holmes wieder. Oben zeigt sich noch im patriotischen Stil der US-amerikanische Flagge mit dem Hinweis „Made in America“ wieder. Die Rückseite bringt dann drei weitere Aufnahmen zum Vorschein und weist im Klappentext auf die ausschließlich im Buch verwendeten, zeitgenössischen Aufnahmen hin. Dabei strebt das Buch eine möglichst komplette Dokumentation vom Werkssport bis zu den Amateuren an …

Mit dem Shelby GT350 stand ein racing-orientierter Basiswagen zur Verfügung,
der sich im Rennen beweisen konnte.

Für den Vor- und Nachsatz nutzt das Buch das volle Format um je eine Rennaufnahme zu präsentieren. Diese werden zwar leicht abgesoftet dargestellt, aber entsprechenden Pendants findet sich natürlich im Inhalt wieder. Neben dem Inhaltsverzeichnis findet man dann die Hinweise zu Buch, in denen der Autor die Motivation zum Buch erläutert. Das Buch besteht aus guten Gründen aus Bildern die von Texten begleitet werden und nicht ein Textband der von Bilder unterstützt wird. Somit ist der vielsagende Titel „A … Photographic History“ die logische Folge dieser Grundlage. Das Inhaltsverzeichnis verdeutlicht die auch in den Hinweisen erläuterte Konzentration auf die ersten Jahre der Mustangs im Motorsport. Den in chronologischer Reihenfolge werden die Jahr 1964 bis 1972 jeweils einzeln betrachtet. Der Zeitraum vom 1973 bis 1986 hingegen wird zusammengelegt und nimmt nur einen geringen Teil des Buches ein. Nach den Danksagungen folgt dann noch eine rein textliche Einleitung, welche auch auf die Geschichte und den schnellen Erfolg des Ford Mustang als Modell eingeht. Auch der im Prinzip vorgezeichnete Weg des sportlichen Mustang auf die Rennstrecke war für den Hersteller Ford eigentlich fest eingeplant, denn schließlich machte man sich gerade daran auch im internationalen Spitzen-Rennsport mit dem GT40 anzutreten. Grund hierfür war auch die viel zitierte Ablehnung von Enzo Ferrari zur feindlichen Übernahme seiner Marke und vor allem auch seiner Motorsport-Aktivitäten durch die US-Amerikaner von Ford. Auch die hohe Zugkraft zur Verkaufsankurbelung durch den Erfolg im seriennahem Rennsport mit dem Mustang war einer der wichtigsten Faktoren für die Einsätze im internationalen Motorsport.

Immer wieder kann man auch die Konkurrenz der Mustangs entdecken und den Zeitgeist fühlen.

Am 17. April 1964 stellte Ford den Mustang im Rahmen der Weltausstellung in New York vor und erreichte einen Paukenschlag. Der Verkaufserfolg war sofort da, ohne das auch nur ein Mustang eine Rennstrecke gesehen hatte. Im Motorsport strebte man dennoch schon im ersten Jahr auch die Homologation bei der FIA an, um auch an internationalen Veranstaltungen teilnehmen zu können. Im Juni wurde die Homologation aufgrund falscher Unterschriften zurückgewiesen, diesen Fehler konnte man schnell reparieren und ab Juli war der Mustang mit der Nummer 1330 offiziell für die Veranstaltungen der FIA zugelassen. Schon vorher hatte Ford einige Modell nach England verschifft, wo diese von Alan Mann Racing für den Renneinsatz vorbereitet. Die ersten Modelle des Mustang trugen aufgrund der unüblichen Markteinführung im April das Modelljahr 1964 1/2. Dies und mehr erfährt man in einem Einführungstext, der bei jedem Kapitel vorab die wichtigsten Fakten erläutert und somit die notwendigen Hintergrund-Informationen liefert. Neben dem Text finden sich dann aber auch schon die ersten Rennaufnahmen von einem Rennen unweit von Detroit bei den May Spring Sprints in Waterford Hills wieder. Wie die Bildunterschriften hier korrekt feststellen, wird dieser Mustang mit Bob Acton am Steuer der erste Mustang für viele der Zuschauer gewesen sein. Alan Mann setzt die Mustangs unter anderen in Europa bei der Tour de France ein, welches zugleich der letzte offizielle Einsatz durch Ford in Europa sein sollte. Fortan sollten sich die offiziellen Motorsport-Aktivitäten mit dem Mustang auf den US-amerikanischen Markt konzentrieren.

Die Vorbereitung durch Kar-Kraft war immer sehr professionell, wie auch tolle Bilder zeigen.

1965 war dann schließlich die erste volle Saison in welcher der Mustang aktiv war und Ford stellte zu Beginn des Jahres den neuen Shelby GT 350 vor. Nachdem der Sports Car Club of America (SCCA) zunächst noch feststellte, dass der Mustang nur ein sportlicher Wagen aber kein Sportwagen war, nutzte Ford die Kompetenz von Carroll Shelby um eine passenden Ausbaustufe zu entwickeln. So wurde aus dem viersitzigen Mustang der deutlich veränderte Shelby GT350, der auch auf die Rückbank verzichten sollte. Vom Modelljahr 1965 stellte Shelby 562 GT350 her, von denen lediglich 36 reinen Rennwagen waren. Die restlichen erhielten einen Straßenzulassung und machten ihre Kunden zu stolzen Besitzern. Jegliche Teile, welche den Unterschied zwischen den reinen Rennwagen und den straßenzugelassenen Modellen ausmachten, waren einzeln erhältlich und ermöglichten so eine unkomplizierte Umwandlung zum Rennwagen. Durch diese Zubehörteile eröffnete sich ein lukrativer Markt, den Shelby nur allzu gerne bediente. Um in der Saison 1965 zum Start in der SCCA zugelassen zu werden, mussten 100 Exemplare des Fahrzeugs bis zum 1. Januar des Jahres hergestellt werden. Dabei war es unerheblich, ob es sich um Rennwagen oder Straßenmodelle handelte. Im Oktober 1964 trafen die ersten drei Mustang als Basis bei Shelby ein und wurden zu den ersten je hergestellten Shelby GT350. Der einleitenden Text geht noch auf die Unterschiede der Modelle ein und zeigt auch Bilder vom ersten Renneinsatz am 14. Februar 1965 auf dem Green Valley Raceway in Texas. Auch die Abläufe der Rennen finden sich noch textlich wieder, unter anderem saß Marc Donohue an Steuer eines Ford Mustang Shelby GT350. Es folgen eine Vielzahl an Fotos, welche die charakteristischen zumeist weißen Mustangs mit ihren blauen Streifen zeigen. Erfreulicherweise sind die meisten Bilder schon farbig und lassen so einen tollen Eindruck auf diese Zeiten zu.

Neben den Rennen in den USA folgt auch immer ein Blick nach Australien und weitere Länder.

1966 folgte dann eine große Revolution in der SCCA, den es war das erste Jahr des Trans-American Sedan Championship. Ford hatte zur Teilnahme den Mustang nun in der Gruppe 2 nach den FIA-Regularien homologieren lassen und trat gegen Chevrolet Corvair, Dodge Dart und Plymouth Barracuda an. Somit traten die Big Three aus den USA unmittelbar gegeneinander an in der Top-Klasse des Tourenwagensports der USA, Chrysler setzte mit Dodge und Plymouth sogar gleich auf zwei seiner Marken. Bei den sieben Rennen der Meisterschaft konnten die Mustangs gleich viermal siegen und sicherten sich so auch den Meistertitel für Ford – ein voller Erfolg. Neben dem Werksteam, dessen Programm weiterhin von Shelby betreut wurde standen in diesem Jahr schon viele kleinere Teams und Privatfahrer mit dem Mustangs am Start von internationalen Rennen. 1967 setzte dann auch Ford auf zwei Marken in der Trans-Am und setzte neben dem Mustang auch Cougar von Mercury ein. Chrysler stand hingegen nur noch mit Dodge am Start und Chevrolet war ebenfalls weiterhin vertreten, diesmal mit dem neuen Camaro, allerdings noch nicht werksseitig. Mit acht Siegen in zwölf Rennen beherrschten die Marken aus dem Ford-Konzern die Meisterschaft und wurden so Meister und Vize-Meister der Trans-Am. Die immer wieder unfassbare Anzahl an zeitgenössischen Bildern mit den rennfahrenden Mustangs liefert einen Blick auf die Strecken in den USA, berücksichtigt aber auch immer die Rennen in Australien und vereinzelt auch noch in anderen Ländern der Welt.
Ab 1968 beauftrage Ford der Firma Kar-Kraft mit der Vorbereitung der Rennwagen, was sich auch optisch bemerkbar machen sollte. So wurden die Farben der Mustangs wieder bunter und man kann tolle Aufnahme entdecken und schon bald sollten die orangen Mustang Boss 302 im Duell gegen die Camaros wieder die Überhand gewinnen …

Fazit: Das ein Mustang auch auf der Rennstrecke für viele Erfolge verantwortlich ist, ist durch die besonderen Modelle wie dem Shelby GT350 oder dem Boss 302 bekannt. Den Fokus legte Ford dabei vor allem auf die Rennen in den USA und diese Meisterschaften konnten die Mustang auch oft für sich entscheiden. Die photografische Geschichte ist bei diesem Buch allgegenwärtig und der Leser bekommt zu jedem Jahr eine hohe Anzahl an interessanten, immer zeitgenössischen Bildern zu sehen. Diese werden ergänzt durch Bildunterschriften, die oftmals kleine Texte darstellen und somit einen tiefen Einblick in die Szenen zulassen. Dazu gibt es zu jedem Jahr auch eine textliche Einführung, in der die wichtigsten Entwicklung und auch der grobe Saisonverlauf dargelegt wird.
Der Preis von umgerechnet knapp 30 Euro ist ein Knaller! Ein echtes Schnäppchen für ein Bilderalbum des Motorsports der 1960er und 1970er Jahre, mit dem alleinigen und bewussten Fokus auf den Ford Mustang. Für Fans von Motorsport und natürlich auch vom Ford Mustang ein echtes Highlight!

Bibliografie:
Titel: Racing Mustangs – An International Photographic History 1964-1986
Autor: Steve Holmes
Umfang: 176 Seiten, 250 Abbildungen
Format: 250 x 207 mm
Bindung: Hardback
Auflage: 05/2020
Preis: £25
ISBN-Nr.: 978-1-787117-35-8
Bestellbar beim Verlag unter: www.veloce.co.uk

Text: Marco Rassfeld
Fotos: Veloce Publishing, Patrick Ernzen ©2016 Courtesy of RM Sothebys
, Marco Rassfeld